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Der Gott der Zeit und das Buch der Geschichte Der "Chronosbrunnen" in der Hofstrasse an dem kleinen Platz vor dem Bechtolsheimer Hof (von Antonio Petrini erbautes ehemaliges Stadtpalais der Freiherren von Bechtolsheim) ist ein Werk des frühen Klassizismus um 1770 herum, das von Fürstbischof Adam Friedrich v. Seinsheim anstelle des alten Ziehbrunnens in Auftrag gegeben wurde. Als Motiv zur Errichtung des Brunnens lässt sich wohl eine angemessene Hinführung zur Residenz vermuten, wenn man sich dieser aus der alten Stadt heraus näherte. Der Aufbau dieses Brunnens ist in der Tat als 'klassisch' zu betrachten. Ein massiver Sockel aus fränkischem Muschelkalk mit an den Ecken angesetzten Pfeilern und einfacher Halbschale zur Strasse hin trägt einen eben klassizistisch gegliederten Säulenpavillon mit einer Nische zur Strassenseite hin. Darin sitzt im Rahmen einer sehr stilisierten Grotte die allegorische Figur des 'Moenus', welcher - dem Vierströmebrunnen im Juliusspital nicht unähnlich - aus einem Füllhorn heraus den Main in das Land hinein fliessen lässt. - 'Moenus' ist einfach das lateinische Wort für den Main; sein Gebrauch im Zusammenhang mit der Figur kann auch bedeuten, dass man sich hier den Flussgott bzw. Vater Main vorstellen soll, der dem reichen und fruchtbaren Land als Lebensader dient, worauf natürlich auch die beigefügten Attribute (z.B. Trauben) hinweisen. Letztlich aber kommt es immer auf das Gleiche raus, es ist der Main ... Am stark gegliederten Gebälk des Pavillons ist das Wappen der Stadt mit den Farben Gold und Rot angebracht.  Die Dachhaube verwandelt sich jedoch wiederum in den Sockel für eine weitere, den Brunnen bekrönende Figurengruppe aus hellem Sandstein, welche 'Chronos', den griechischen Gott der Zeit, und 'Clio', die Muse der Geschichte zeigt. Manchmal ist das Verstehen ganz leicht, in dem Wort 'Chronos' begegnet uns z.B. der Chronometer oder auch die Chronologie. Hier ist es so, dass der geflügelte 'Gott der Zeit' mit dem ausgestreckten Arm in Richtung der Residenz deutet und den Kopf der an seiner Seite knieenden Muse zugewendet, diese auffordert, die großartige Geschichte dieses einzigartigen Schlosses und seiner Erbauer für alle Zeit im Buch der Geschichte aufzuschreiben. Vielleicht befiehlt er sogar, denn die Muse 'Clio' scheint erschrocken vor der intensiven Präsenz des 'Chronos' ein wenig zurückzuweichen. - Die auf dem Säulengebälk platzierten, Girlanden geschmückten Amphoren frieren den Moment der Szene als Bild ganz klassizistisch ein. Der Brunnen trägt auch den Namen "Moenusbrunnen", je nachdem auf welche der Figuren man sich nun beziehen möchte. Die Chronosgruppe ist von Peter Wagner, dem Vater Martin von Wagners, aus einem einzigen Block gefertigt worden, welcher dem doch etliche Kilometer entfernten Abtswind entstammte. Der Transport des Blocks stellte damals v.a. aufgrund des Gewichts von ca. 7,5 Tonnen eine grosse logistische Herausforderung dar, für die ein Gespann mit 20 Pferden verwendet worden sein soll. Sowohl die Chronosgruppe, als auch der Moenus sind aufgrund der Witterungsschäden nicht mehr original; ein Problem, das sich in Würzburg grundsätzlich für Sandsteinplastiken stellt. Während Chronos und Clio 1890 in Marmor (das Sandstein-Original ist leider verschollen) kopiert und neu aufgestellt wurden, ist der Moenus bereits 1882 in einer neo-romantischen Auffassung jener Zeit und sich vom Original stark unterscheidend neu gestaltet worden. Hier hat sich das Original jedoch durch den damaligen Kunstsammler Freiherr von Heyl erhalten, in dessen Schloss in Hermsheim es sich an einer Wand der Remise noch heute befindet. Der 'Chronosbrunnen' ist schon ob seines Standortes und auch des Konzeptes wegen, das eher in die Höhe als in die Breite reicht, nicht einer der auffälligsten Brunnen Würzburgs, aber deswegen keineswegs weniger interessant oder betrachtenswert. - Schauen Sie hin auf Ihrer Erkundung durch die Altstadt Würzburgs. Der ‘Chronosbrunnen’ im Video des Altstadtrundganges Die Station 2 des Altstadtrundganges führt gleich zu Beginn auf dem Weg in die Stadt hinein u.a. auch an dem klassizistisch gestalteten ‘Chronosbrunnen’ vorbei. Sehen Sie hier das entsprechende Kapitel aus dem Video des Rundganges, das Sie sich auf Mein-Wuerzburg.com in voller Länge auch auf der zuständigen Seite Altstadtrundgang anschauen können.

Der Chronosbrunnen

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