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RUNDGANG 2: DIE FESTUNG MARIENBERG Burg - Bischofssitz - Schloss - Festung - In Video- oder Textbegleitung Die Festung Marienberg thront hoch und erhaben über dem Fluss und der Stadt. Sie ist die Gebieterin des Tals und der Region in alter Zeit und heute. Damals militärisch, heute akademisch. Ehemaliger Bischofssitz und ehemalige Residenz der Herzöge von Franken in Personalunion. Sie ist eine Burg des hohen Mittelalters, aber auch eine der größten Festungen des Europas der frühen Neuzeit. Sie ist ein Renaissanceschloss mit Prunk und Pracht. Die Festung Marienberg ist eines der in dieser besonderen Stadt Würzburg freilich gleich etlichen Wahrzeichen mit allerdings sehr markanten und weltberühmten Konturen. All dies sind auf die "Festung", wie es in der Stadt kurz und bündig heisst, zutreffende Attribute und dabei doch nur eine kleine Auswahl dessen, was man einen solchen 'Rundgang' einleitend alles sagen könnte bis hin zu diversen Superlativen. Fest steht, Burg- und Festungsanlagen wie diese gibt es, wenn überhaupt, auf der Welt und in der Geschichte nur ganz wenige. Beinahe jedoch wäre dieses in Stein und Erde kulturell geborene Erbe, das die Schweden im 30jährigen Krieg und andere Stürme überstand, jedoch im vergangenen Jahrhundert für immer verloren gegangen. Erst hatte die Verwahrlosung nach der Aufgabe der Festungsfunktion ab 1867 der Anlage alles andere als gut getan und dann drohte nach dem Angriff vom 16. März '45 auch noch alles bis auf die Grundmauern niederzubrennen. - Trotz der ganz und gar unaussprechlich über Würzburg hereingebrochen Katastrophe kämpften die Feuerwehr und Bürger, darunter viele Frauen und Kinder, 10 Tage und 9 Nächte darum die Festung nicht zu verlieren, ... was ihnen gelang und wohl für immer die gemeinschaftlich heroischste Tat in der Geschichte dieses Monuments bleiben wird. TIPP: Der komplette Festungsrundgang im Video Anekdote - Zur Einstimmung auf unseren Festungsspaziergang möchte ich Ihnen alle düsteren Gedanken vertreibend eine kleine Festungsgeschichte aus meinem privaten Fundus erzählen: Als mein Bruder mich Ende der 1980er Jahre das erste Mal in Würzburg besuchte, gab er sich trotz meiner Bedenken vorab davon überzeugt, meine Innenstadtadresse mit dem Auto finden zu können. Nun ist jedoch allgemein bekannt, dass wer z.B. in Paris oder Rom sich noch problemlos orientieren kann, in Würzburg jedoch ganz sicher auf die Nase fällt, denn wir haben hier ein sich geschickt widersprechendes System aus Stadtvierteltaschen und - ähnlich wie die Treppen in Schloss Hogwarts - ständig die Richtung wechselnden Einbahnstrassen. Handys, Navis oder gar Smartphones gab es in jenem Jahrhundert noch nicht und mein Bruder war und ist ein stolzer Mann, der natürlich gegen meinen Rat nicht nach dem Weg fragte. Als schliesslich genügend Zeit vergangen war und er doch eine Telefonzelle konsultierte - sie kennen diese gelben Häuschen aus alten Filmen - gab ich ihm den Rat, die Residenz zu suchen, denn dort käme man beim Herumirren zwangsläufig irgendwann vorbei. Ich würde ihn bei dem Brunnen auf dem Platz davor treffen. "Residenz?! - Super, kann ich von hier aus sehen", und legte auf. Ich hätte ihn eigentlich abhalten müssen, denn die etwas wirre Standortbeschreibung klang nach Vorstadt. Aber ich war es auch gewohnt, dem grossen Bruder nicht zu widersprechen. Dieser sah aus dem Fenster seiner Telefonzelle markant und in der Nacht wunderbar erleuchtet ein prächtiges Schloss hoch über der Stadt und machte sich auf den Weg. Es dauerte noch Stunden, bis wir uns tatsächlich trafen ... Hinweis: Zu verschiedenen Themen finden Sie auf mein-wuerzburg.com Einzelartikel oder sonstige Links im Text, die ausführlicher beschreiben, als es diese "Plauderei des Rundgangs" tut. - Nutzen Sie die jeweiligen Informationen, wenn es Ihre Zeit erlaubt. TIPP: Die Strecken- bzw. Wegbeschreibung müsste im Text für diesen Rundgang ausreichen. Drucken Sie sich jedoch für die visuelle Orientierung am besten auch noch den Plan dieses Rundgangs als PDF aus oder nutzen Sie ihn am Smartphone oder Tablet. Unser Treffpunkt ist die ‘Alte Mainbrücke’ in ihrer Mitte! Dieser Festungsrungangundgang nimmt in etwa 2 - 3 Stunden in Anspruch. Mit oder ohne Brückenschoppen in der Hand betrachten wir von der Mitte des Mains aus den 100 steil ansteigende Meter aufragenden Marienberg mit der Stadtseite der Festung. Stolz und ewig wacht sie dort über die Zeiten und die Geschichte hinweg. Die Türme, die Schlossflügel im Norden und Osten sowie sichtbare Festungsbastionen zeichnen eine Silhouette, als wäre sie gemalt. Es drängt uns danach den Berg hinauf zu stürmen, um die Positionen zu tauschen und das erhabene Gefühl und den Platz des Schlosses dort oben über Fluss, Stadt und Tal einzunehmen. Dies sollte man vorweg über die Festung Marienberg schon einmal wissen Dort oben befand sich bereits ab ca. 1000 v.Chr. eine keltische Fliehburg zur Hallstattzeit. Dementsprechend auch Besiedlung in der Umgebung. Mit der 'fränkischen Landnahme' um 500 n. Chr. entsteht im folgenden eine Merowingerburg. Im Jahre 706 n. Chr. wird mit der 'Marienkirche' der älteste bzw. eben erste Sakralbau östlich des Rheins geweiht. Das Wirken der Frankenapostel liegt zu diesem Zeitpunkt erst knappe 2 Jahrzehnte zurück. Karl d. Große lässt die Burg ca. 789 systematisch ausbauen und z.B. mit einer 6 Meter hohen Wall- und Wehranlage aus Holz befestigen. Die Festungsgeschichte der heutigen Anlage nimmt ihren Anfang um 1200 herum, als die Fürstbischöfe damit beginnen, die alte Anlage im großen Stil in Stein auszubauen (z.B. Bergfried). - Hintergrund sind die zunehmenden Spannungen mit dem aufstrebenden Bürgertum der Stadt, aber natürlich auch die neue Funktion der Bischöfe als Herzöge Frankens und die allgemein sehr unruhige Region. Ab 1253 nehmen die Fürstbischöfe ihren festen Sitz für die folgenden 450 Jahre auf der Festung Marienberg. Regelmäßige Erweiterungen, Ausbauten, Ringanlagen etc. folgen bis ca. 1600 herum, welche stets auf den Initiativen zur Bautätigkeit einzelner Fürstbischöfe beruhen. - Die innere Burg mit dem Schlossbau und der 1. Vorburg tragen in etwa das Erscheinungsbild der Renaissance-Zeit Julius Echters (Amtszeit 1573 - 1617). Dem Ansturm der Schweden kann die Festung trotz der massiven, noch relativ jungen Echterbastion nicht standhalten und wird 1631 innerhalb von nur 4 Tagen unter hohem Blutvergießen eingenommen. Nach dem 30jährigen Krieg beginnt Fürstbischof Johann Philipp v. Schönborn damit sowohl den Marienberg als auch die Stadt komplett neu und im ganz grossen Stil zu befestigen. Ein gigantisches Unternehmen, das schliesslich mehr als 100 Jahre in Anspruch nimmt. Mit den Franzosen kommt kurz nach 1800 auch das Ende der Fürstbischöfe und sogar die Säkularisation. - Gegen Ende der napoleonischen Zeit können sich die Franzosen in der Festung erfolgreich verschanzen, bis man sie schliesslich abziehen lässt. Die enorme Befestigung der Anlage ist wirksam. Einmal noch gerät die Festung 1866 am Ende des 'Deutschen Krieges' in den Blickpunkt, als dieser unmittelbar vor bzw. bei der Aufnahme von hiesigen Kampfhandlungen beendet wird. 1867 wird die Festungseigenschaft aufgehoben. Station 1: Der alte Festungsweg Von der 'Alten Mainbrücke' kommend nehmen wir den klassischen Weg des Mittelalters, um den Festungsberg zu bezwingen. Dieser Weg führt zunächst vom historischen 'Meeviertel' am Fuß des Berges durch die sogenannte 'Tellsteige' und anschliessend am östlichen Kamm der Bergflanke bis zum barocken 'Neutor' sowie schliesslich von dort in einer nunmehr sanfter nach Westen entlang ansteigenden Wegkurve bis zum 'Schönborntor' und der äusseren Vorburg. Alternativ können wir vom 'Neutor' aus auch einen ganz direkt und gerade ansteigenden Weg durch eine Ausfallporte in die zweite und mittlere Ringanlage hinein nehmen; unseren Rundgang würde das um ein weniges abkürzen, aber dazu kommen wir noch. Wir begeben uns am Brückenende über die Strasse. Dort, etwas nach rechts versetzt, steht am Beginn der 'Zeller Staße' eine grosse Bildsäule, die sogenannte erste 'Zobelsäule'. Zwei weitere befinden sich am weiteren Weg zur Festung. Das Denkmal erinnert an die berühmte Fehde des Fürstbischofs Melchior Zobel mit dem früheren Vasallen des Bistums und letztlich ziemlich berüchtigten Ritter Wilhelm v. Grumbach. - An dieser Stelle wurde der Fürstbischof hoch zu Ross auf dem Weg in die Festung am 15. April 1558 von Grumbach sowie etlichen Spiessgesellen aus einem Hinterhalt heraus überfallen und durch eine Schussverletzung tödlich verwundet. Es gelang ihm zwar dem Ort des Attentats zu entkommen, aber er verstarb schliesslich noch vor Erreichen der Festung. Die weiteren Denkmäler, denen wir ebenfalls begegnen werden, markieren den Ort, an dem er vom Pferd gefallen sein soll und denjenigen seines Ablebens. Wir wenden uns jetzt wieder ein wenig nach links und biegen dort gleich zu Beginn der 'Burkarder Straße' Richtung Berg in die 'Tellsteige' ein. Der Name dieser Gasse hat übrigens nichts mit eidgenössischer Heldengeschichte zu tun, sondern meint eigentlich eine 'Delle im Berg'. Im Rahmen der fränkischen D-T-Verwirrung (ebenso B-P) ist daraus 'Tell' geworden; keine grosse Sache. Am Ende des Treppenaufstiegs treffen wir links auf den Festungsweg. Ungefähr an dieser Stelle befand sich ab dem 14. Jhdt. (1308) mit dem 'Telltor' ein befestigtes Stadttor, das der Rat der Stadt aus einem sehr speziellem Schutzbedürfnis heraus errichten liess; man wollte kontrollieren, wer sich von der Festung in die Stadt und umgekehrt begab. Das Verhältnis zwischen Fürstbischof und Bürgerschaft hatte einen gewissen Tiefpunkt erreicht, der sich im Verlauf jenes Jahrhunderts weiter zuspitzen sollte. Schlussendlich sollten sich die Fürstbischöfe durchsetzen (Schlacht von Bergtheim, 1400) bzw. erreichten die Bürger niemals die angestrebten Reichsfreiheiten. Der Weg führt steil bergan bis zum 'Neutorgraben' und der dortigen Aussichtsplattform unmittelbar über der 'Alten Mainbrücke' und dem gegenüberliegenden Altstadtzentrum. Auf der halben Höhe des Weges passiert man die '2. Zobelsäule'. Der Blick von hier aus über die Stadt zählt zu den beliebtesten, denn es gibt keine zentralere und dennoch so nahe Übersicht zur Altstadt hin. Auch treffen sich hier z.B. an Silvester traditionell viele Menschen, um das neue Jahr zu begrüssen. An diesem Ort befindet sich seit 1989 auch ein auffällig gestaltetes Denkmal aus Edelstahl, das an den Bauernkrieg von 1525  erinnert. Mitte bis Ende Mai jenes folgenschweren Jahres rannten die Bauern von hier aus mit Unterstützung der Bürgerschaft mehrfach erfolglos gegen die Festung Marienberg an. Mehr als 4.000 Mann sollen mitunter beteiligt gewesen sein. An der damaligen Vorburg war spätestens jeweils Schluss. Diese Auseinandersetzungen waren sehr heftig und sehr verlustreich; allein der erste Sturmversuch am 15. Mai soll 400 Angreifer das Leben gekostet haben. Damals besass der Hang natürlich noch eine andere Gestalt, da die schweren barocken Bastionen noch nicht existierten. Zu den Führern der Bauernhaufen zählten so illustre Persönlichkeiten der Geschichte wie Götz v. Berlichingen und Florian Geyer. - Anfang Juni 1525 verlor das aus verschiedenen Haufen zusammengesetzte Heer der Bauern die entscheidende Schacht ausserhalb Würzburgs gegen den Schwäbischen Bund der Fürsten. Auch die aufständische Stadt Würzburg selbst musste kapitulieren. Der beteiligte Ratsherr Tilmann Riemenschneider entging der Todesstrafe - wie sie andere traf - möglicherweise nur aufgrund seiner Popularität als Künstler. Bei den "12 Artikeln", welche die einzelnen Bauernhaufen in einer gemeinsamen Erklärung verfasst hatten, ist oft die Rede von dem ersten deutschen Verfassungsentwurf. Aus unserer heutigen Sicht erscheinen diese Forderungen moderat, gerecht und haben in der Tat im Kern etwas gesellschaftlich Grundlegendes, also auch Verfassungsgebendes. Den Landesherren der damaligen Zeit aber erschienen sie und natürlich auch die bäuerliche Zusammenrottung innerhalb sogenannter Regionalhaufen als ein Fundamentalangriff auf die Grundfesten ihrer Herrschaftsausübung. Die durch den jungen Buchdruck geradezu explosionsartige Verbreitung der Artikel brachte einerseits viele Sympathien und Zulauf, aber gerade deswegen andererseits auch falsche Hoffnungen und das überaus kompromisslose Handeln der Fürsten und Landesherren hervor. Dies alles brach sich auf beiden Seiten genau an dem Ort Bahn, an dem wir jetzt gerade stehen. - Das Denkmal symbolisiert eine 'Ramme' sowie die tiefe und erdverbundene 'Verwurzelung' der Bauern mit ihrer Heimat. Genau genommen ist es wohl auch so, dass heute noch und tief im Kern der eigenen Geschichte vergraben, der Würzburger Rat eine Art von Rechnung mit den ja längst vergangenen Fürstbischöfen offen hat. Wenige Dutzend Meter in westlicher Richtung entlang des Grabens gelangen wir zu der darüber führenden Brücke und zu der auf dieser so verwundbaren Seite weit vorgeschobenen Bastion des äusseren Ringes mit dem 'Neutor'. Diese Anlage geht nun auf Johann Phillip v. Schönborn, dem ersten von einigen Mitgliedern dieser illustren Familie auf dem Würzburger Bischofsstuhl, zurück und gehört um 1650 herum zu den ersten Bauabschnitten der kommenden barocken Befestigungen. Die bedrückenden Erfahrungen des 30jährigen Krieges hatten tiefe Spuren hinterlassen. Eine solche Katastrophe sollte sich nie wieder ereignen können und bedeutete übertragen auf das Denken jener Tage eine uneinnehmbare Wehrhaftigkeit. Für die Festung Marienberg wurde der 2. Ring massiv ausgebaut und umgestaltet. Ein vorgelagerter 3. Ring entstand an den gefährdeten Flanken im Norden und Westen mit neuartig gestalteten Bastionen und Schanzen dieser Zeit und einer Massivität, welche auch konventionelle Waffen unser Tage nicht mal eben so sprengen würden. Hier bildet das 'Neutor' von der Stadt her seitdem einen von zwei Hauptzugängen zur Festung. Als Zugang zur damaligen Residenz der Fürstbischöfe besitzt das 'Neutor' - anders als z.B. die barocken Tore der Stadtbesfestigung eine sowohl aussen wie innen repräsentative Gestaltung. Die äussere Seite zeigt eine trutzige, dreigliedrige Rustika mit den Kasematten beidseitig des Tordurchgangs durch die massive Bewallung hindurch. Darüber in starkem Gesims gerahmt der Giebel mit dem von den Schönbornlöwen gehaltenem Bischofswappen. Zentral auf dem Giebel steht ein begürteter Ritter oder Wächter, dessen auffälligstes Merkmal sein wachsamer Blick über das Gelände ist. Der weitere Schmuck mit zwei grimmigen Löwen auf den Schrägseiten Giebels, einigen Fratzenmasken und kräftig ausgeführten Verzierungen drückt v.a. die entschlossene Wehrhaftigkeit aus. Für den Fall von Kampfhandlungen werden dem Gegner keine Ziele zur Zerstörung angeboten, welche ihm ein Triumphgefühl vermitteln könnten. Ganz anders auf der Innenseites des Tores. Beim Verlassen der Festung wird der Besucher hier noch ein letztes Mal an die Bedeutung, Pracht und natürlich die Macht seines Gastgebers erinnert. Im Grundsätzlichen als Tor aufgebaut wie die Aussenseite tritt hier die Rustika nur in der Pilastergliederung heraus, welche das Gebälk des in sich wiederum dreigliedrig durchbrochenen  Torgiebels trägt. Die entstehenden Felder werden sämtlichst für Schmuck und figürliche Aussagen zwischen Pracht, Macht und Funktion des Tores genutzt und treten hier deutlich feiner ausgeführt auf. Im durch einen Mittelgiebel noch einmal hervorgehobenen Giebelfeld steht wieder das Schönbornwappen, jetzt gehalten von zwei geflügelten Engeln. Links und rechts lagern im auslaufenden Giebelfeld die allegorischen Figuren der 'Jugend' und des 'Alters' als Anspielung auf ein ganzes Zeitalter der Machtausübung; ... und in der Tat sollte der damalige Fürstbischof für die lange absolutistische Zeit von ca. 150 Jahren damit Recht behalten. Auf der Spitze des Giebels steht adäquat zu dem Wächter der Aussenseite des Tores ein Herakles mit Keule. Etwas übertrieben oder überhöht, wie ich finde, aber wohl der nördlich der Alpen etwas spät angekommenen Belebung antiker Motive geschuldet. Dazu über den Pilasterordnungen weitere Kriegerfiguren und auf dieser Seite etwas besser gelaunte Löwen auf den Schrägseiten. Das Tor selbst wirkt mit Rundbogen, Rahmen, Schlussstein und Verzierung leichter als auf der Aussenseite. Die Zugänge der Kasematten zu beiden Seiten sind mit eigenen Giebeln in ihren jeweiligen Pilasterfeldern in die Gesamtgliederung mit einbezogen. Der Durchgang wiederum ist so wehrhaft ausgestattet, wie es bei allen noch bestehenden und auch abgebrochenen Toren Würzburgs und eben der Festung der Fall ist. Schweres Fallgitter sowie heißes Öl, Pech und allerlei Ungemach von oben, schwerer Beschuss aus den Kasematten heraus. Auf dem Rücken des Tores befindet sich das Haus für das Fallgitter, Ofen, Wachmannschaft sowie Bobachtungsturm ... Hinweis-Tipp: In der Architektur und der Kunst lassen sich die meisten Dinge mit wachsamen eigenen Augen sehen und erschliessen, denn es ist immer das Ziel des Geschaffenen eine bestimmte Wirkung, ein Gefühl oder ein Erkennen zu bewirken. Wissen und Geschichtshintergründe sind hilfreich, aber keinesfalls eine Voraussetzung zur Erforschung. Vertrauen Sie Ihrer eigenen Wahrnehmung, Ihren detaillierten Sinnen und Eindrücken. - Im folgenden des Rundgangs werde ich Sie weniger meiner Beschreibung unterwerfen, sondern mittels der gegebenen Rahmeninformationen auf Ihren geschärften Blick vertrauen. Nach dem 'Neutor' erkennen wir, wie weit diese in der Geschichte des Marienberges sehr neuralgische Stelle der eigentlichen Festung als Ring tatsächlich vorgelagert ist. Wir treffen auf ein weites, steil abfallendes Gelände, das vom zweiten und mittleren Festungsring aus komplett bestrichen werden könnte. Schwer vorstellbar, sich da erfolgreich noch hinauf zu kämpfen, sollte es gelungen sein das 'Neutor' zu nehmen. - Es ist nur so ein Bild, das z.B. im Jubiläumsjahr 2014 oft bemüht wurde, aber vergleichen sie einmal die Einnahme von 'Omaha-Beach' 1944 in der Normandie mit der Aufgabe, die sich hier gestellt hätte (Einwurf: ich bin wahrlich kein Militarist oder Verherrlicher solcher Dinge. Es geht nur um die Funktionen der Anlage). Schwer vorstellbar, dass es hier gelungen wäre, obwohl es gewisse topografische und andere Vergleichbarkeiten z.B. der Verteidigung gäbe. Wir können nun die eigentliche Festungsanlage über zwei Wege betreten: 1) Dem Hauptweg in einem Bogen nach Westen bergan folgend bis zum 'Schönborntor', wobei wir mit der dritten Zobelsäule auch den Sterbeort des 1558 auf so dramatische Weise ums Leben gekommenen Fürstbischofs passieren würden. - Nach dem Tor würden wir uns dort im Hof der 2. Vorburg angekommen direkt nach Osten und in Richtung der Stadt links vorbei an der Burg wieder in den Graben des 2. Ringes begeben, um zunächst eine Runde mit den entsprechenden Eindrücken um die eigentliche Kernanlage herum zu machen. 2) Wir gehen steil bergauf und vom 'Neutor' aus direkt geradeaus den Weg zu einer Pforte (Ausfalltor ‘Schönborn’) des mittleren Ringes, durch die wir hinauf in den Graben um den inneren Ring der Burg herum steigen. Dort treffen wir wieder auf den längeren Weg und wenden uns für die Runde um die Burg herum nach links Richtung Ost und der Stadt zu. Direkt zu unserer Seite baut sich der mittelalterlich bewehrte Festungsring mit dem dahinter liegenden nördlichen Schlossflügel und seinen Ecktürmen auf.   Station 2: Rund um die Burg herum Es geht im Uhrzeigersinn um die Kernburg herum durch den Graben zwischen dem mittleren und inneren Ring. Dieser innerste Ring mit verdecktem Wehrgang und Türmen in kurzem Abstand scheint sich aus unserer Graben-Perspektive geradezu an die dahinter hochaufragenden Schlossflügel anzulehnen; tatsächlich aber bestehen da nur punktuell Verbindungen. Unter den ausgedehnten Verteidigungsanlagen der Festung ist er eines der wenigen Elemente, das nach den romantisierenden Vorstellungen unserer Zeit wirklich nach hohem Mittelalter und Rittertum aussieht. Das liegt einfach daran, dass man um den Kernbau herum diese Ringanlage als zusätzlichen Mauerschutz belassen hat, wie sie war, während im 17. und 18. Jhdt. die eigentliche Verteidigung völlig neu angelegt wurde. Obwohl er oft 'Scherenberg-Ring' genannt wird, ist dieser Teil der Anlage vor der Mitte des 14. Jhdt. unter Otto II. v. Wolfskeel erbaut worden. Scherenberg, der sehr viel bekannter gewordene Fürstbischof, ließ in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts eigentlich nur geringfügigere Ausbaumaßnahmen vornehmen, zu denen aber auch die recht massiv ausgefallene Gestaltung des 'Scherenbergtores'  gehörte, das wir später noch sehen werden. Die der Stadt zugewandte Ostseite ist ein weiteres Highlight des Ausblicks über Würzburg. Falls Sie bereits einen Stadtrundgang gemacht haben, so lohnt es sich gewiss einige der Monumente noch einmal aus der Vogelperspektive sowie ihre Lage zueinander zu betrachten. Erkennen Sie den Bischofshut mit dem Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer und auch den sich um die Stadt legenden Ringpark, der die barocke Befestigung nachzeichnet. Sehen Sie nun die Mächtigkeit des romanischen Domes, die gewaltige Größe der Residenz, die aufragende Höhe des Glockenturms der Neubaukirche? - Bei genauerem Hinsehen öffnet sich hier als Panorama ein sich kulturell wirklich faszinierend zusammen fügendes Stadtgebilde. Hier auf der Stadtseite der Festung befindet sich zwischen dem sogenannten 'Fürstenbauflügel' und der Ringmauer die Terrasse mit dem barock gestalteten 'Fürstengarten'. Dieser wurde um die Mitte des 17. Jahrhunderts als Gartenanlage geschaffen, als man die eigentliche Verteidigung in Richtung der zu dieser Zeit ebenfalls entstandenen Bastionsanlagen verschob, also dahin, wo wir jetzt gerade stehen. Ursprünglich befanden sich dort Geschützstellungen, von denen aus man z.B. während des Bauernkrieges 1525 die Stadt und v.a. die 'Alte Mainbrücke' beschossen hatte. - Insbesondere sehenswert sind die die jeweils 2-flügeligen Freitreppen im Norden und Süden der Anlage mit jeweils einem mehrschaligen Laufbrunnen an der Wand dazwischen sowie die leicht angelegten Balustrierungen, welche den Charakter einer Festung ganz vergessen machen. Der 'Fürstengarten' kann während der Wintermonate nur im Rahmen einer Führung betreten werden. Ansonsten befindet sich ein Zugang durch den Nordflügel der inneren Kernburg in die innere Ringanlage, welcher in den Sommermonaten geöffnet sein sollte. Wenn wir nun ein paar Schritte weiter gehen, gelangen wir an der südöstlichen Ecke / Flanke an eine der sogenannten "Bastionen" der Befestigung. Dabei handelt es sich um zackenförmig aus dem Ring vorspringende, besonders massive Anlagen, deren Anordnungen und Ausgestaltung so angelegt sind, dass sie besonders sensible Bereiche verstärkt schützen und außerdem ein Feind, der es tatsächlich bis zu den Mauern schafft, von mehreren Seiten ins Kreuzfeuer genommen werden kann, ohne dabei der eigenen Verteidigung zu schaden. - Im Kontext zu den verschiedenen topgrafischen Gegebenheiten ist die Gesamtanlage zwar immer noch eine mit der Zeit gewachsene, aber ebenso auch hervorragend durchdacht und eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Ringmauern sowie 'Bastionen' sind zum Teil meterdick und aufgrund sich anschliessender Wallfüllungen bzw. auch Felsgestein eher nicht leicht bis gar nicht zu knacken. An vielen Stellen sind sie mit Kasematten durchzogen, so dass gleich mehrere Verteidigungslinien zum Tragen kamen. Verteidigungsabschnitte und v.a. die einzelnen 'Bastionen' besassen ihre eigenen, eingespielten Mannschaften mit trainierten Aufgaben innerhalb der Kommandostruktur. So tragen diese 'Bastionen' auch eigene Namen; gerade jetzt befinden wir uns auf "St. Johann Baptist", an dieser Stadtseite im Norden gegenüber sind wir von "St. Johann Nepomuk" herübergekommen. Die an der verlängerten Spitze der Bastion weit in die Bergflanke zum Eingang des Leistengrunds vorgeschobene Schanze nennt sich passenderweise "Werk Höllenschlund", denn dort konnte es bei einem gegnerischen Sturmangriff in der Tat kniffelig werden. Lassen Sie uns noch rasch einen Blick auf den mächtigen Turm an dieser Südostseite der Hauptburg werfen. Es handelt sich um den "Randersackerer Turm" und dieser ist nicht nur der grösste der drei Haupttürme, sondern auch der älteste, wenn man einmal ausser Acht lässt, dass es zumindest für den Kiliansturm einen Vorgänger gegeben hat. Seine Errichtung ab 1308 durch die Würzburger Bürgerschaft in der für damalige Verhältnisse raschen Bauzeit von nur 2,5 Jahren geht auf einen Aufstand gegen den Fürstbischof (damals Andreas v. Gundelfingen) zurück, in dem der Habsburger Albrecht I. wohl höchstselbst auch vermittelte. Der mächtige Turm stand längere Zeit für sich allein, da von einer Flügelanlage, wie man sie heute sieht, noch nicht die Rede war. Die Verbindungen zur damaligen Burg bestanden über eine Wehrmauer - die Vorläuferin des Wolfskeel'schen Ring von heute sowie eine Grabenbrücke für den Zugang. Der 'Randersackerer Turm' diente über Jahrhunderte hinweg als Archiv und Schreibstube in den oberen Geschossen und als fürstbischöflicher Kerker dort, wo die Gemächer nicht mehr sehr angenehm eingerichtet waren. Z.B. musste 'Tilmann Riemenschneider' nach dem verlorenen Bauernkrieg 1525 hier eine Zeit des Ungemachs verleben. Der angebaute und kleinere Rundturm auf der Südseite ist ein "Küchenturm", der erst im 16. Jhdt. auf den Mauern eines Geschützrondells aufgebaut wurde. Abschliessend zum Turm der Hinweis auf einen Kontext, der ihnen vielleicht schon aufgefallen ist. Die Bürger erbauten zwar den als Tribut bzw. Strafe geforderten Turm, aber sie erbauten zeitgleich 1308 auch das oben schon erwähnte Stadttor an der Tellsteige, das den zuvor freien Zugang der 'Bischöflichen' doch deutlich einschränkte. Der Konflikt zwischen den Fürstbischöfen als Landesherrn und der Bürgerschaft hatte eigentlich gerade erst begonnen. Auf der Südseite der Festung fällt im weiteren Verlauf unserer Runde um die Hauptburg der Festung herum das Gelände zum Leistengrund hin ebenso steil hinab wie es auf der Flussseite der Fall ist, so dass wir an dieser Seite einen geringeren Festungsaufwand vorfinden. Hier war der gross angelegte Sturmangriff undenkbar. Der äussere Festungsring fehlt daher. Einzig der der Schlucht gegenüberliegende, sehr nahe und zudem höhere Nikolausberg stellte im Zeitalter weit tragender Geschütze ab ca. dem 16 -17. Jhdt. ein Problem dar. So wurde die Festung z.B. während des Bauerkrieges von hier aus beschossen und später v.a. von den Schweden im 30jährigen Krieg, welche einiges an Schaden anrichten konnten. Hierauf reagiert die barocke Befestigung neben den Bastionen (im Südwesten über dem Leistengrund ist es 'St. Nikolaus' mit dem schon erwähnten 'Werk Höllenschlund' (das übrigens zusammen mit der Burkarder Bastion auch Stadtgebiet verteidigen sollte) am Eingang der Schlucht und einem gewaltigen Burgturm, genannt 'Maschikuliturm', westlich im Hang, den wir leider von unserer Position aus kaum sehen können. Dieser stammt aus der Feder Balthasar Neumanns und beherrschte sowohl die Schlucht als auch Aktivitäten am gegenüberliegenden Berghang in jeder gewünschten Art und Weise. Der südliche Schlossflügel ist nach Bränden auf der Burg um 1600 zur Zeit Julius Echters hauptsächlich als Bibliothek und Hofstuben neu errichtet worden; zuvor waren da verschiedene Wirtschaftsgeschichten und Zeughausfunktionen beheimatet. Auch das homogene und schlossartige Erscheinungsbild der 4-flügeligen Kernbauten stammt aus dieser Zeit; nicht notwendigerweise aber die Bauten selbst, wie wir es am Beispiel des 'Randersackerer Turm' gesehen haben. - Heute finden wir dort die Räumlichkeiten der 'Burggaststätten' und darüber auch des 'Fürstenbau-Museums'. Die Außenterrasse der Gaststätte ist an einem milden und sonnigen Tag als Ort etwas so besonderes, dass es sich je nach der kombiniert persönlichen Stimmung kaum in Worte fassen lässt. Entlang des Wehrgangs an der Mauer erfassen wir die Talschneise des Leistengrunds, das Viertel am Hang des Nikolausberges und natürlich die exponierte Lage des 'Käppele' als Wallfahrtskirche mit dem hinaufführenden Kreuzweg, das sich leider nur schwer in einen herkömmlichen Stadtspaziergang einbinden lässt. In diesem Burggraben, den wir gerade durchlaufen, finden immer mal wieder 'Mittelalterspektakel' statt mit Markt, Turnier, Festen u.s.w. - Wenn man im Westen der Kernburg angekommen durch diesen Graben mit den Anlagen und der Brücke hoch darüber geht und blickt, weiss man auch warum; das ist Mittelalter pur! Wir gehen nun dort im Westen des Grabens den Treppenaufgang zur Vorburg hinauf und erreichen dort einen Platz als seien wir noch einmal durch die Zeit transportiert worden. Station 3: Die ‘Echter’sche Vorburg’ Auch "Echterhof" genannt. Die Vorburg erfüllte traditionellerweise die verschiedensten Zwecke v.a. zur Bewirtschaftung der Burg. Hier lebten und arbeiteten die Handwerker, Knechte, Mägde, auch Mannschaften und allerlei dienstbare Geister, die den Burgbetrieb unterstützten und ganz entscheidend am Laufen hielten. Dementsprechend durch Wirtschaftsgebäude gekennzeichnet  wie etwa Werkstätten, Scheunen, einfachere Wohnstätten etc. Auch befestigt, ja, aber häufig nicht in derselben Weise wie die Hauptburg. - Im Angriffs- bzw. Eroberungsfall zogen sich die Bewohner in diese innere Hauptburg zurück, während die Verteidigung der Vorburg es den Angreifern gleichzeitig doppelt schwer machte, die Burg zu nehmen. Dieses Konzept findet man auch in der Festung Marienberg vor und nicht zuletzt die so blutigen Kämpfe während des Bauernkrieges 1525 belegen dessen Wichtigkeit im hohen und auch noch späten Mittelalter, als spätestens in der Vorburg für die Angreifer jeweils Schluss war. Den Namen 'Echterhof' bzw. 'Echterburg' etc. bekam die Vorburg zugewiesen, da ihre Gestaltung im wesentlichen auf die Echterzeit zurückgeht mit der mächtigen 'Echter-Bastei' im westlichen Abschluss und natürlich auch zur Unterscheidung der später zusätzlich angelegten zweiten und äusseren Vorburg. Der große Platz ist im Norden (Museumsladen) und Süden von Wirtschaftsgebäuden, im Osten von dem Graben um die Hauptburg herum bzw. der Zugangsbrücke und dem schweren 'Scherenbergtor', im Westen schließlich von der mächtigen Echter-Bastei begrenzt. Unser Blick fällt aber zunächst auch auf die beeindruckende Pferdeschwemme, welche auf uns den Eindruck macht, als handele es sich um ein veritables Renaissance-Schwimmbad. Die wirklich sehr massive Bastei im Westen mit gedecktem Wehrgang, Stellungen für schweres Geschütz und einem Innenleben wie Kasematten liess Echter Anfang des 17. Jhdts. errichten, um aus seiner Sicht die Festung auch von der Flanke des Bergrückens aus 'uneinnehmbar' zu machen; hatten doch die Bauernhorden z.T. Geschütze bis nahe an die Festung herangebracht und waren zeitweise sogar in die Vorburg eingedrungen. So etwas sollte nicht mehr möglich sein und die Verteidigung dort auch starkem Artelleriefeuer widerstehen können. - Indes hielten sich die Schweden wenige Jahrzehnte später irgendwie nicht an diesen Plan, in dem ihr Sturmangriff die Bastei bereits überwunden hatte, bevor dort die Verteidigung überhaupt in Stellung gebracht werden konnte. Wenn es dabei nicht so blutig zugegangen wäre, würde man heute so etwas wie "Dumm gelaufen ..." dazu sagen. Der "Echtertor" genannte Tordurgang durch die Bastei weist ganz unterschiedliche Portalgestaltungen auf. Vom Hof aus gesehen ist es mit einer Art Zier-Rustika gerahmt, dazu stilisierte Voluten, die das Gesims zu tragen helfen und darüber weitere zur rahmenden Stütze der Stiftertafel. Das Wappen Echters, eine Tradition, findet sich hier auf dem Schlussstein des Torbogens. - Für ein Portal Julius Echters ist das geradezu sparsam. Das äussere Portal schauen wir uns später an. Wenden wir uns stattdessen dem "Scherenbergtor" im Osten der Vorburg zu. Ausgebaut hat es in dieser Weise als regelrechte "Torburg mit zwei Türmen" der namensgebende Fürstbischof Rudolf v. Scherenberg um 1482. Das mächtige Tor mit dem vergleichsweise schmal erscheinenden Durchgang präsentiert sich nicht nur sehr wehrhaft, sondern bot im Inneren auch den nötigen Platz für seine sich gegebenenfalls verschanzende Mannschaft. Ursprünglich wurde es mit einer Zugbrücke verschlossen. Über dem Tordurchgang wachen die Figuren der 'Frankenapostel' in nicht sehr tief eingelassenen Nischen und einem schützenden Mauerbogen über den Zugang zur Hauptburg. Darüber wiederum steht die Mutter Gottes mit dem Kind als Schutzpatronin in einem noch gotisch ausgeführten Wandportal zwischen den Wappen von Bistum und Herzogtum Franken als geistliche und weltliche Grundlage der Macht der Fürstbischöfe zu Würzburg. - Wiederum darüber hat Friedrich v. Wirsberg sein Wappen nach der Mitte des 16. Jhdt. anbringen lassen. Denken wir es uns einfach mal weg und finden stattdessen das Wappen des Erbauers im Durchgang. Von der inneren Seite aus betrachtet, ist gut zu erkennen, warum man hier von einer 'Torburg' spricht. Über dem Durchgang ist im Aufbau eine 'kleine Halle' angelegt. Station 4: Die Hauptburg Wir haben den Hof der Hauptburg erreicht! Und was wir hier sehen, hat man schon bei den Ansichten der Festung Marienberg aus der Ferne vermutet. Hier ist nichts klein oder eng oder kompakt gedrungen wie es in verwinkelten Burganlagen so oft der Fall ist. Im Gegenteil: der Hof weit und licht, die Einzelgebäude (Bergfried, Kirche, Brunnenhaus) in seinem Inneren freistehend und ihre Wirkung entfaltend, die Gesamtanlage selbst etwas zwischen eben Burg und funktional angelegtem Schlossbau. Etwas, das in der Tat ziemlich einzigartig für sich steht. Der Reihe nach. Der älteste Teil der Burg, den wir hier sehen, ist der Rundbau der "Marienkirche". 706 zur Zeit des Merowingerfürsten Hetan II. geweiht, ist sie gute 15 Jahre nach dem Erscheinen der Frankenapostel die erste nachgewiesene Kirche östlich des Rheins. Das kleine Langhaus entsteht später. Das mehrgeschossige und figurenreiche Schmuckportal (verschiedene Apostel, natürlich Maria - die Mutter Gottes, nicht jene mit dem Namenszusatz Magdalena -, frühe Bischöfe) stammt aus der Echterzeit und ist diesmal sehr typisch für ihn und auch dem Stil der dt. Renaissance gut zuzuordnen. - Achten Sie in der Stadt doch einmal darauf, ob Sie weitere Portale im Stil der Echterzeit zuordnen können. Es ist eigentlich ganz leicht; zwischen eindeutiger Gotik und deutlich beginnendem Barock finden wir in der Architektur (!) häufig das Erbe der Echterzeit. Über die Burg der Merowingerzeit ist wenig bekannt, zumindest weiss ich nicht sehr viel darüber. Fest steht jedoch dass sie da war und seit der fränkischen Landnahme um 500 n. Chr. herum erfolgreich ihren Dienst verrichtete. Fest steht auch, dass Karl d. Grosse sie 789 n. Chr. nach den Erkenntnissen und Erfordernissen seiner Zeit ausbauen liess; immerhin versehen mit einer 6 Meter hohen Wallanlage. Jedoch datiert der Beginn des Ausbaus der Kernburg in Stein um das Jahr 1200 herum in die Zeit des Fürstbischofs 'Konrad v. Querfurt'. Das erst sind nach bereits vielen Jahrhunderten Burggeschichte die Anfänge der Marienburg, in der wir uns heute befinden. Mehr als 150 Jahre, nachdem damit begonnen worden war, das Stadtgebiet mit einer Steinmauer zu befestigen. - Hintergrund ist, dass es natürlich noch längstens keine Feuerwaffen gab, der Bischof noch nicht wirklich ein Kriegsherr war bzw. erst auf dem Weg dorthin und die starken Wälle des Kastells auf dem Berg im Fall der Fälle lange Zeit ausreichend waren. Das 12. Jahrhundert war jedoch ein politisch und auch militärisch sehr bewegtes Jahrhundert; die Würzburger Bischöfe geradezu paneuropäisch z.B. als Kanzler der Kaiser oder Gastgeber diverser Hoftage mittendrin. Auch war es die Zeit der Kreuzzüge und eines aufstrebenden und in der Identität selbstbewusster werdenden Bürgertums der damals überaus erfolgreichen Stadt. Nachdem die Bischöfe schon im 11. Jhdt. unter den Saliern weitreichende Rechte erhalten hatten, zu denen u.a. Münzrecht, Gerichtsbarkeiten, Zölle etc. gehörten, war schliesslich die Verleihung der fränkischen Herzogswürde im Rahmen der sogenannten 'Güldenen Freiheit' 1168 durch den Staufer Friedrich Barbarossa ein grosser Erfolg und gleichzeitig aber auch der endgültige Startschuss zu einem Würzburg durch das hohe Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein prägenden Konflikt. Und der lässt sich in wenigen Worten ungefähr so zusammenfassen: Die Macht des Bischofs und das Bedürfnis der erfolgreichen Bürgerschaft nach Selbstbestimmung und eigenen ordnungsgebenden Rechten waren gleichzeitig sehr groß. Die gewissermassen natürlichen Vasallen-Probleme kamen sowieso hinzu. Der Bischof und Herzog von Franken, also der Fürstbischof, brauchte eine sichere, zeitgemäße Burg. In der Stadt konnte es gefährlich werden, es brodelte immerzu und führte schliesslich dazu, dass die Fürstbischöfe ab der Mitte des 13. Jhdt. ihren Sitz bis ca. nach dem 30jährigen Krieg auf die Festung verlegten. Hier, wo wir jetzt stehen, beginnt also ab 1200 der gezielte Ausbau der Burg. Einzelne Steingebäude als Vorläufer der heutigen Flügelanlage bzw. zusammenhängenden Schlosses entstehen in dieser Zeit im Nordosten (Halle) sowie wohl im Südosten und Westen als Stallungen und erstes Zeughaus etc. Auch der 'Tiefe Brunnen', über dem später Julius Echter später ein Kleinod von Brunnenhaus errichten liess, wird in einem 10jährigen Kraftakt 100 Meter weitgehend vermauert in die Tiefe getrieben. Weithin sichtbar und von kleineren Ausbauten abgesehen entstand zu dieser ersten Zeit auch der mächtige, ca. 40 Meter hohe "Bergfried", dessen Mauerwerk eine Dicke von bis zu 2,5 Metern aufweist. Der 'Bergfried' erfüllte mehrere Zwecke und war sehr wichtig. Zum einen die Beobachtung und Wache; kein Feind konnte sich der Burg oder Stadt ohne Entdeckung nähern. Dann war er auch ein Instrument der Macht, der meterhohe Kerkerraum berüchtigt. Man liess die Gefangenen durch das sogenannte 'Angstloch' darin hinab und das war es dann zumeist. Luft kam dort nur durch einen gemauerten Schacht und durch eine winzige Scharte mit vielleicht etwas Licht hinein. Während des Bauernkrieges 1525 wurde der Turm über lange Schüre mit sämtlichen Wachtposten verbunden, an denen man Glöckchen zur Warnung gegen Überraschungsangriffe befestigt hatte. Die Maßnahme erwies sich als wirkungsvoll. Schliesslich diente der 'Bergfried' mit seinem Turmraum auch noch als letzte Zufluchtsstätte, wenn die Festung verloren war. Er war für Feinde praktisch nicht einzunehmen; so geschehen als die Schweden 1631 kamen. Einige Verteidiger verschanzten sich in dem Turm; genutzt hat es letztlich wenig. Wohl um ca. der Mitte des 15. Jhdts. war schließlich eine zu allen Seiten geschlossene Flügelanlage in etwa den heutigen Grundriss-Dimensionen entstanden, manches - z.B. der Südflügel, den Echter neu erbauen liess - bei weitem noch nicht so, wie wir es heute sehen, aber immerhin. Anfang des 16. Jhdts. liess Fürstbischof 'Lorenz v. Bibra' die berühmte und sehr, sehr spätgotische und sehr filigrane 'Bibratreppe' im Nord-Osten des Fürstenbaus errichten. - Das Treppenhaus selbst kann ebenso wie die Kirche, das eigentliche Schlossinnere, teilweise der Fürstengarten, das Brunnenhaus, Kasematten etc. nur mit einer offiziellen Führung besichtigt werden. Schade zwar, aber zum Schutz der historischen Gegebenheiten auch verständlich. Schliesslich hier im Hof der Kernburg noch das wunderbare Brunnenhaus, bei dem es sich um ein wahres Kleinod der dt. Renaissance handelt. Es schützte das wertvolle Nass vor Verunreinigungen und diente natürlich auch dazu, um das nicht so sehr kleidsame Pumpwerk darin zu verstecken. Es handelt sich um einen recht filigran wirkenden achtseitigen Zentralbau mit an den Ecken vorgestellten Säulen, welche das Gebälk, die ausgesetzte Ornamentbalustrade sowie jeweils vorspringende und stilisierte Wasserspeier in der Gestalt der Köpfe von Fabeltieren tragen. Auf dem flachen Dachgewölbe steht eine bronzene Fortuna, welche allerdings ebenso wie das Dach selbst eine Rekonstruktion nach alten Stichen ist. Beleuchtet wird das Brunnenhaus durch querovale Fensteröffnungen. An der Ostseite findet sich ein um drei Wandfelder vorgebautes Brunnenbecken, das über den wasserspeienden Löwen des zentral angebrachten Reliefs versorgt wurde, dem die Figur des Samson das Maul aufhält. Zu beiden Seiten daneben weitere Reliefs, welche die Figuren des Hieronymus und des Daniel zeigen. Irgendwann nach dem 30jährigen wurde das Brunnenhaus während der Barockzeit komplett mit massivem Stein ummauert, um es so wohl vor der Zerstörung durch feindliche Kanonenkugeln zu schützen. Und wiederum sehr viel später hatte man irgendwann dann auch vergessen, was sich unter diesem Mauerklotz mitten im Burghof überhaupt befindet. Kaum zu glauben, aber eine wirklich wahre Geschichte. Als man während der Sanierung zwischen 1936 - 39 der sich seit den 1860er Jahren mehr oder weniger dem Verfall anheim gegebenen Festung Marienberg diese seltsame Ummauerung schliesslich wieder abbrach und das herrliche Brunnenhaus dabei zum Vorschein kam, waren sowohl das Erstaunen über den Bau als auch über die Erkenntnis des Vergessens groß. HINWEIS - TIPP : Selbstverständlich wäre nun eine Festungsführung durch das Innere der Einrichtungen die ideale Ergänzung zu dem Rundgang, den wir hier miteinander unternehmen können, ... selbst wenn sich dabei das ein oder andere wiederholt oder gar gegenseitig ergänzt. Alternativ das Fürstenbaumuseum. Wenn es die zur Verfügung stehende Zeit erlaubt, lohnt es sich sehr ... Ansonsten ist für zumindest einen Eindruck der baulichen und räumlichen Gegebenheiten ein unauffälliger Rundgang durch die Burggaststätten oder auch die Einkehr dort angeraten. Schauen sie sich verschiedene Säle an, sofern gerade zugänglich. Sollte das Wetter taugen, unbedingt die Außenterrasse für einen Aufenthalt aufsuchen. Öffnungszeiten und Eintrittspreise 16. März - Ende Oktober: Führungen mit Schloss, Fürstengarten, Kasematten immer Dienstag bis Sonntag. November - Mitte März: Führungen mit Schloss, Fürstengarten, Kasematten nur Samstag und Sonntag. Die Zeiten der Führungen sind etwas unregelmäßig angelegt, starten aber in jedem Fall zu einer vollen Stunde am Museumsladen in der Vorburg. - Dauer einer Führung ca. 50 Minuten. Die Preise sind mit 3,50 Euro bzw. 6,00 Euro im Verbund mit dem stadtgeschichtlich sehr interessanten Fürstenbaumuseum recht moderat. Station 5: Äussere Vorburg mit Schönborntor Lassen Sie uns nun den Weg zurück über die Vorburg und durch das 'Echtertor' hindurch in die "Äussere Vorburg" einschlagen. Dort im Hof angekommen, drehen wir uns erst einmal um und betrachten das wehrhafte und zur Innenseite so unterschiedliche Gesicht der "Echter-Bastei". Bullig und undurchdringlich begegnen uns die Mauern. Die Linie der Geschützbatterien verspricht dem Angreifer schweren Beschuss und auch die Portalgestaltung des Durchgangs lässt auf dieser Seite keine Zweifel offen, dass hier eine Macht mit der Bereitschaft zum erbitterten Widerstand der Hausherr ist: schwere und trutzige Rustika mit an den Seiten kräftig vorgestellten und wohl der Zeit entsprechend toskanisch verzierten Säulenpaaren, die ebenfalls ihre Botschaft transportierten. Darüber der Erzengel Michael vor eigenem, trutzig aber reich verziertem Tempelfeld mit Giebel, welcher symbolisch dafür steht, das Böse zu bekämpfen und zu besiegen. - Zudem sicherte auch hier eine kleine Zugbrücke das Tor, deren Technik und Ausmaße die Architektur des Tores noch zeigt. Ebenso ist der Verlauf des ehemaligen Grabens vor der Bastion an der Pflasterung des Hofes noch abzulesen. Wäre Ihnen das ohne Hinweis aufgefallen? Oft ist es tatsächlich einfach so, dass man nur mit den eigenen Augen und dem Kombinieren von einem Detail auf das andere hinsehen muss. Das setzt schon sehr viel Geschichte zusammen. Wenden wir uns nun dieser zweiten und äusseren Vorburg zu, welche auch 'Greiffenclauhof' genannt wird, da sie Anfang des 18. Jhdt. zu dessen Regierungszeit die wesentliche Gestaltung erfahren hat. Diese entstand unmittelbar aus den bitteren Erfahrungen des 30jährigen Krieges heraus und dem daraus resultierenden ganz grossen Entwurf der Befestigung von Burg und Stadt. Es ist gewissermassen das angebaute Verbindungs-Scharnier zur Neubefestigung der bisherigen Burg und des in der Echterzeit geformten Residenzschlosses, die auf diese Weise im Kern nicht angetastet werden. Auch deshalb - wegen der genialen Idee und Anbindung dieser weiteren Vorburg - besitzt die Stadt Würzburg hoch über den Köpfen ihrer Einwohner diese Festung Marienberg in ganau dieser historisch grossartigen Art und Weise. Der Platz ist geprägt durch das 1709 - 12 im Stil der Zeit von dem Ingenieur und Architekten Andreas Müller erbaute "Neue Zeughaus" als dreiflügeliger Anlage. Ins Auge fallen vor allem die grossen, hohen und arkadenartig wirkenden Tore in jedem zweiten Feld der Wandgliederung des südlichen und westlichen Flügels. In den Gewölbehallen dahinter lagerte das schwere Gerät in der Form transportabler Kanonen etc. pp. Die Obergeschosse (ursprünglich gab es ein Mansardendach) nahmen die weitere Ausrüstung wie etwa Musketen, Munition, Kleiderkammer, Mannschaftsteile u.s.w. auf. Der kleine, im Norden 3-geschossig angesetzte Flügel wird dem militärischen Stab und den Offizieren gedient haben. TIPP: Das 'Neue Zeughaus' dient seit 1947 dem Mainfränkischen Museum als Heimstatt, das als Regionalmuseum aufgrund der Vielzahl in Würzburg durch die Jahrhunderte tätigen und bedeutenden Künstler tatsächlich auch ein den Besuch überaus lohnendes Kunstmuseum ist. - Sollten sie noch ausreichend Zeit mitgebracht haben, schauen Sie es sich an! Übrigens: Der Architekt des 'Neuen Zeughauses', Andreas Müller, war seinerzeit auch für die militärische Ausrüstung, Beschaffung, Logistik etc. verantwortlich. Hierbei fiel ihm ein begabter und ideenreicher junger Ingenieur auf, der für die Gießhütte von Ignaz Kopp tätig war. Diesen warb er für das fürstbischöfliche Militär ab, förderte ihn durch diverse wissenschaftliche Studien und brachte auf diese Weise eine Weltkarriere auf den Weg. Der Name dieses vormaligen Glockengießergesellen: Balthasar Neumann. Im Norden des 'Neuen Zeughauses' schließt sich ein etwas gedrungen wirkender, in den Gebäudeteil integrierter Tordurchgang an. Das sogenannte 'Greiffenclautor', es führt direkt auf den die gewaltigen Bastionen "Bellona" und "Mars" verbindenden Platz für Truppen und Material. 'Gewaltig' deshalb, weil die schiere Höhe und Massivität dieser Bastionen geradezu unfassbar sind, wie wir später ausserhalb der Festung noch sehen werden. Dieser Bereich ist ausserhalb des Tores leider nicht zur Begehung eingerichtet, sondern dient dem Personal z.B. als Parkplatz etc. - Lassen Sie uns trotzdem einmal kurz hindurch gehen und dort die Portalgestaltung betrachten. Nüchtern und auf die funktionalste Gliederung beschränkt. Für den Notfall konnte es stark verbarrikadiert werden. Darüber allerdings finden wir eine kleine Figurengruppe aus Sandstein mit dem schmuckvoll gestalteten Greiffenclau-Wappen. Die beiden weiblichen Engel zu beiden Seiten sind sehr detailreich ausgeführt. Neben dem Wappen halten Sie zum einen das Herzogsschwert und zum anderen den Krummstab des Bischofs, die Insignien der fürstbischöflichen Macht. Interessant auch die Rückseite des Zeughauses nach Westen hin. Hier finden wir keine gegliederte Fassade oder einfaches Mauerwerk vor, sondern eine starke Befestigung mit Geschützstellung. - Die Befestigung des 18. Jhdts. ging wohl zurecht davon aus, dass die grösste Gefahr eines massiven Sturms genau hier von der Seite des Bergrückens aus drohte, da mit dem zunehmenden Fortschritt in der Waffentechnik das Gerät relativ nah heran gebracht werden konnte. Im Norden des 'Neuen Zeughauses' und zu dieser Seite hin abfallenden Platzes befindet sich die Bastion "Wer da?" Der Name ist typisch für das fränkische Gemüt zwischen Schalk und Griesgrimm. Hoch über dem an dieser Stelle nahen äusseren Ring sowie dem dahinter steil abfallenden Gelände. Ausserdem gewährleistete dieser Standort einen hervorragenden und weit tragenden Überblick des Gesamtgeschehens im Maintal nach Nordwesten hin. - In unseren Tagen finden wir hier den Festungsbiergarten zur Rast und zur Einkehr. Blick, Stimmung und Atmosphäre passen. Der einzige offizielle Zugang zum eigentlichen Burggelände - alle anderen Zutritte sind Ausfalltore, militärische oder sonstige Geheimgänge - findet sich ebenfalls hier bei der äusseren Vorburg durch das bereits früh im Rahmen des Ausbaus nach dem 30jährigen Krieg um 1649 entstandene "Schönborntor" am westlichen Rand der langestreckten Bastion "Cäsar". Trotz der vollkommenen Schlichtheit und auf Schmuckgestaltung verzichtenden Portaldurchgänge hinterlässt gerade dieses Tor bei den Besuchern der Festung einen bleibenden Eindruck, denn es ist in der Befestigung sehr stark ausgebaut mit Fallgittern, Öllöchern, Kasematten, Geschützlöchern, Mannschafthaus etc. ; Dazu ist der Durchgang sehr lang, führt in sich steil bergan und beschreibt dabei eine Wegkurve von annähernd 90 Grad. Das macht es sehr besonders und eben anders als alle anderen erhaltenen Tore. Vor dem Schönborntor treffen die jeweiligen Zutrittswege aus der Stadt und vom westlichen Bergrücken her aufeinander. Aussen zeigt das Tor eine klare, starke Rustika mit Giebel und dem Schönbornwappen im Tympanonfeld. Natürlich gab es auch hier eine Zugbrücke, mit der das Tor verschlossen werden konnte (man sieht die Rahmung im Stein, auch eine der Rollen für die Zugkette ist noch vorhanden). Innen ist es gar ein Rundportal ohne jede zeichnende Gliederung; darüber in Sandstein gerade mal eine Bautafel und das vergleichsweise sparsame Schönbornwappen. - Es ist sicher nicht verkehrt, die schlimmen und zwei entbehrungsreichen Jahrzehnte im unmittelbaren Vorfeld der Errichtung des Tores in einem gewissen Zusammenhang zu sehen. Schon wenig später änderte sich dies im weiteren Verlauf des Jahrhunderts, dem Wiedererstarken des Landes und der Stadt bzw. dem anbrechenden Zeitalter absolutistischer Herrschaftsausübung, in dem dann Baumeister wie Antonio Petrini und seine Nachfolger der Stadt ihre Werke schenkten. Von der Stadt her heraufgekommen, wollen wir uns nun nach Westen und links den Anlagen zuwenden, welche die Festung zum flacheren Bergrücken hin verteidigten. Station 6: Mars, Bellona, Reichsrivalin, Frankenland, Höchbergtor, Teutschland und der ganze Berg Unser Weg führt zwischen dem zweiten, nach Westen hin weit ausgebauten Bastionsring, den wir links aufragend sehen und dem dritten, zu unserer Rechten hier weniger auffallenden Ring hindurch, da wir sozusagen über dessen Kamm laufen. Im Westen treffen die beiden barocken Ring- und Schanzanlagen zur gemeinsamen Verteidigung zusammen und bilden zusammen eine höhenversetzte Verteidigungslinie. Der äussere Ring wurde dabei ‚Niederwall‘ genannt; gemeinsam eine sich gigantisch auftürmende Wand des Trutzes. Die Bastion dieses äusseren Ringes an der so wichtigen Nordwestflanke wird „Schwedenschanze“ genannt. Der Namensherkunft lässt sich ohne allzu viel Fantasie auf die Spur kommen, wenn man ein wenig darüber weiss, welchen Weg der Schwedensturm auf die Festung 1631 genommen hatte. – Eine solche Katastrophe sollte sich nicht noch einmal ereignen können. Zunächst durchqueren wir das in den 1680er Jahren entstandene „Innere Höchberger Tor“ durch die Bastion hindurch, dessen Gestaltung auf dieser Seite einzig aus schweren, an die Schanzmauern gesetzten Rustika-Pfeilern besteht. Auch dieses Tor ist sehr stark befestigt, liess sich mehrfach verschliessen, blockieren und besass in alter Zeit selbstverständlich einen Graben (eigentlich um die Schanze herum) mit Zugbrücke. Die äussere Gestaltung des Tores zeigt eine Portalrahmung in stark ausgeprägter Rustika mit dem von detailreichen, grimmig abwehrbereiten Löwen gehaltenen Guttenberg-Wappen des damals regierenden Fürstbischofs aus Rotsandstein im Giebelfeld. Jetzt geht das Spektakel gewissermassen erst richtig los. Längst ist ihr Blick nach links in den riesigen Graben der sich offenbar nun zu allen Seiten übermächtig und gewaltig aufbauenden Bastionen und Schanzenspitzen gefallen. Die Autos und Reisebusse denken wir uns weg und wandern ein wenig hindurch, man fühlt sich mit einem Mal ziemlich klein. Der mächtige Burgabschluss mit den Bastionen „Mars“ und „Bellone“ und dem zusätzlich vorgezogenen „Niederwall“ (nichts desto trotz gewaltig hoch), der „Schwedenschanze“ etc. pp. wären gewiss überall ausreichend gewesen, nicht aber auf dem Bergrücken der Festung Marienberg zu Würzburg, nicht nach dem, was 1631 geschehen war, als die Schweden durch das Frankenland gezogen waren. Um das Anrennen gegen die Mauern und auch den erfolgreichen Beschuss unmöglich zu machen, wurden weitere, ebenso mächtige Bastionen strategisch voran platziert, deren Feuerkraft schon aufgrund der Höhe immer weitreichender und durchschlagender zum Tragen käme, als jede mögliche Stellung eines Feindes. Allem voran namentlich die zentral und keilförmig errichtete Bastion "Reichsrivalin". Auf der Nordseite verläuft heute der Weg für die Fahrzeuge entlang, die Bereiche im Süden und Westen werden als Parkplätze für Festungsbesucher genutzt. Weiter im Süden findet sich dann zur dort wieder steil abfallenden Bergflanke das "Werk Frankenland", welches zudem noch eine direkte Verbindung mit den mächtigen Festungsmauern zum Leistengrund hin besitzt. Dort gibt es auch eine Grabenpforte zu einer Wegverbindung mit dem schon erwähnten Maschikuliturm, welcher den Taleinschnitt beherrschte. Für den Kriegsfall bestand mit dieser trutzigen 'Turmburg' jedoch auch eine über 200 Meter lange Kasematten-Verbindung mit der 'Bastion Mars'. Überhaupt sind diese Festungswerke mit Kasematten, Geschützstellungen, Gängen und den verschiedensten Geheimnissen durchzogen wie Ausfallpforten etc. pp. - Entdecken Sie die funktionalen Auffälligkeiten im Mauerwerk und machen Sie sich ruhig ihre Gedanken dazu. Anmerkung: Es ist ein wenig schade, dass gerade die gewaltigen Bastionen im Westen nicht zugänglich sind und für Besucher die historischen Charaktermerkmale und Funktionsweisen nur schwer erfasst werden können. Auch das komplexe Innenleben ist nur selten bis gar nicht zugänglich und auch bei weitem noch nicht restauriert. Die Festung Marienberg könnte sich noch um einiges eindrucksvoller präsentieren. Man muss allerdings auch berücksichtigen, wie lange das Wiederentstehen von Monumenten nach dem Krieg gedauert hat, und dass es viele Prioritäten gab und gibt, welche nach wie vor noch abzuarbeiten sind. Verständnis also. - Ein zeitlich absehbares Restaurations-, Nutzungs- und Präsentationskonzept im historischen Kontext wäre aber doch sehr wünschenswert. Vieles auch wirtschaftlich Interessante wäre denkbar: Museal, kulturell ... warum eigentlich keine Burgbühne, Festspielstätte, Kasemattendicso, Kulturpark oder ähnliches ... Zuletzt wenden wir uns beim nördlichen Abschluss dem sogenannten "Werk Teutschland" zu und gehen dabei durch das "Äussere Höchberger Tor", das mitten hindurch führt. Dieses letzte Tor der Festungsanlagen ist um 1708 herum zur Greiffenclauzeit entstanden und trägt aussen im Giebelfeld auch das entsprechende Wappen des Fürstbischofs. Auf der Innenseite ist neben einer nüchtern angeordneten Rustika etwas ungewöhnlich in einem Relieffeld über dem Durchgang das Monogramm des Bischofs  innerhalb einer verschlungenen Pflanzenornamentik zu sehen. Die Gestaltung der Aussenseite prägt vor allem das stark vorspringende und bis ins Giebelfeld hochgezogene Gesims und natürlich die beiden Relief geschmückten 'Kanonensäulen', die man so nennt, weil sie zusammen mit dem Reliefschmuck dem Guss prestigeträchtiger Kanonenrohre nachgebildet sind. Eine Botschaft mit Symbolkraft sozusagen. Bei den Figuren an den Säulen handelt es sich um die Namenspatrone des damaligen Bischofs, Johannes links und Philippus rechts. - Zwar ist auch hier die Zugbrücke nicht mehr installiert, dafür aber der Graben zum Teil noch zu sehen, den sie überspannte. Jetzt haben wie das direkt der Festung Marienberg zuzuordnende Gelände verlassen. Gleich nach dem 'Äusseren Höchberger Tor' wenden wir uns nach rechts dem Weg zu, der dort den Nordhang des Marienberges über das durch die Landesgartenschau von 1990 gestaltete Gelände hinab bis zur Zeller Höhe und den dort erhaltenen Resten der ehemaligen Stadtbefestigung führt. Es können mehrere Wege eingeschlagen werden (s. Plan Rundgang), z.B. durch den Glacisgraben hindurch zwischen wiederum stark befestigten Mauern oder über den eigentlichen Hang, auf dem es im Bewuchs heute kaum wahrnehmbar mit der berühmten "Teufelsschanze" eine weit von der Festung zwar völlig unabhängige, aber doch direkt zur Verteidigung gehörende, weitere und zudem sehr große Bastion gibt. Erst nach 1720 ist sie gleich dem Maschikuliturm spät entstanden. Ziel war es den Aufbau angenäherter Feindstellungen auf dieser vergleichsweise immer noch flacheren Seite von vornherein zu unterbinden und z.B. auch Versuche der Unterminierung der Festungsmauern zu verhindern. Angeblich konnte die Besatzung dort wochenlang oder gar monatelang ausharren und war jederzeit für auch eigene Ausfälle gerüstet, was sogar vorgekommen sein soll. Allerdings war mir nie ganz klar, wann das genau gewesen sein könnte; ... vielleicht in den späten 1790er Jahren, als die Franzosen einmal vergeblich versuchten, die Festung zu nehmen. - Allerdings gilt auch für die 'Teufelsschanze', dass ich ihr gegenwärtiges Los als zu trist und dem historischen Erbe als nicht wirklich gerecht werdend empfinde. Auf ihrem Weg talwärts begegnen Sie wunderbar gestalteten Themengärten, einzelnen Kunstinstallationen und sowieso einer ganzen Reihe gewollter Impressionen. Gleich welchen Weg sie genommen haben, gelangen sie schliesslich in den Graben des "Zeller Tores", das Antonio Petrini mit der dortigen Bastion, dem Wachhaus etc. bereits 1664 - 66 im Rahmen der Neubefestigung des Stadtgebietes errichtete. Der Weg führt über einen modernen Steg aus dem Graben heraus direkt durch das Tor hindurch und die Zellerstrasse hinab - vorbei an der gotischen Deutschhauskirche - schliesslich wieder zu unserem Ausgangspunkt mit der grossen 'Zobelsäule' und der 'Alten Mainbrücke'. Ich weiss nicht, was Sie nach all diesen Bildern voll mit Eindrücken jetzt tun werden, ... ich jedenfalls genehmige mir nun einen 'Brückenschoppen' und werfe einige lange, genussvolle Blicke zurück auf das irre Panorama der Festung Marienberg. Vielleicht spielt dabei etwas Strassenmusik.

Festungsrundgang