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Eine Heimstatt für Domschule, Scholastiker und sogar Dichter Die prächtige Barockfassade mit der grossen, nach beiden Seiten ausgeschwungenen Freitreppe verfehlt Ihren Eindruck auf die Besucher nicht. Eingebettet in die innerstädtische Häuserflucht (Kürschnerhof) befindet sich die Neumünsterkirche nur wenige Meter nördlich des Doms genau an der Stelle, an der wohl die erste Domkirche Würzburgs stand, der Salvator-Dom. Diese erste Domkirche wurde 788 von Bischof Berowelf im Beisein Karls d. Großen auf den Namen "Christus-Salvator" geweiht, was in etwa so viel bedeutet wie 'Retter' oder eben 'Erlöser'. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt schon die von Burkard, dem ersten Bischof des jungen Bistum aufgefundenen Reliquien der Frankenapostel 'Kilian', 'Kolonat' und 'Totnan' aufgenommen, welche zunehmend auch Pilger anlockten. Man weiss nicht viel bis nichts über die Architektur dieser Kirche, jedoch heißt es, dass sie eine der größten ihrer Zeit gewesen sein soll. Es ist anzunehmen, dass die Menschen jener Zeit eher nichts von z.B. der Hagia Sofia gewusst haben werden. Halbwegs wahrscheinlich ist auch, dass der 'Salvatordom' in weiten Teilen aus Holz bestanden haben wird, denn in 855 brennt die Kirche nach einem Blitzschlag komplett nieder und auch die 'Mauern' seien bald darauf eingestürzt, wie es heisst. Bischof Arn lässt danach eine 3-schiffige Kirche errichten. Auch diese brennt im Jahr 918 wieder nieder und wird neu errichtet. Bischof Bernward lässt ein Oratorium für die Reliquien der 'Frankenapostel' kurz vor der Jahrtausendwende bauen. Wie das im Kontext zur Kirche ausgesehen haben könnte, weiß man wohl nicht so genau. Die eigentliche Geschichte des Neumünster beginnt mit dem Bau des romanischen Doms an seinem heutigen Standort. Als dieser Neubau wohl soweit fortgeschritten war, dass er für die Messe zur Verfügung stand, gründet Bischof Adalbero am alten Standort das Neumünsterstift zu Ehren Mariens und beginnt 1060 mit dem Bau einer großen, z.T. zwei-stöckigen Basilika, deren Untergeschoss in das leicht ansteigende Erdreich hineinreicht und nun die Gebeine der Heiligen aufnimmt, während das Oberschoß aus der drei-schiffigen Basilika mit Querhaus und Ostapsis besteht. Zum Kiliansplatz zwischen den beiden Kirchen hin ebenerdig. - Dies war für die damalige Zeit sicher eine ungewöhnliche und im Sinne der Kilianslegende Aufsehen erregende Lösung (Es gibt etwas ähnliches am Dom von Siena; dort ist es das Baptisterium - Taufkapelle - unter dem Chor). Auch die beiden Großbaustellen mitten im Zentrum der Stadt haben sicher ein sehr pulsierendes Bild abgegeben und standen für eine spannende, aktive Entwicklungszeit der Stadtgeschichte. Außer dem Kirchenbau und einem anliegenden Stiftsgebäude sehen wir heute von dem früheren Areal des Stifts nur noch das Lusamgärtchen (siehe bitte auch dort) auf wenigen Quadratmetern im Nordosten der Kirche. Ursprünglich gab es dort z.B. auch einen Kreuzgang aus dem 12. Jahrhundert, von dem die zunächst verbauten und dann ab 1883 im Luitpold-Museum (Vorgänger Mainfränkisches Museum) ausgestellten Reste ab 1930 wieder in der Nähe des ursprünglichen Standorts aufgebaut wurden. Die leider stark verwitterten Stelen zeigen z.B. Reliefe des Kilian und des Christus als Weltenherrscher. Es handelt sich dabei um die vielleicht ältesten figürlichen Darstellungen Würzburgs. Insbesondere interessant finde ich jedoch die Säulen mit den Würfelkapitellen, welche neben zu erwartenden Palmetten z.T. auch an Runen und an sehr viel ältere Zeiten erinnernde Motive zeigen. - Vielleicht ein Ausdruck der Disputation, der Scholastiker und Domschule dort, für die Würzburg im Mittelalter durchaus bekannt war. Weit über die Grenzen Würzburgs hinaus, ist das Neumünster-Stift auch hierfür berühmt: "ich hân mîn lêhen, al die werlt, ich hân mîn lêhen" - Der schon zu Lebzeiten sehr bekannte und kontrovers verehrte Dichter Walter von der Vogelweide erhält von Friedrich II. (einem Enkel Barbarossas) um 1220 ein Alterslehen des Neumünsterstifts, wo er demnach seine letzten Lebensjahre verbracht haben soll. Belegt ist gerade letzteres nicht. Es zeigt uns aber, auf welche Weise sich ein solches Stift grundsolide über verschiedene Güter getragen hat. Anfang des 18. Jahrhunderts wird der westliche Teil der zu diesem Zeitpunkt schon alten Kirche abgerissen und erhält durch Josef Greising die üppige, in zwei horizontale und drei vertikale Abschnitte gegliederte und etwas eingeschwungene Barockfassade mit den tollen, dazu passenden Flügeln der Freitreppe zu beiden Seiten des Oratoriums für die 'Frankenapostel'. Auch die grosse Kuppel und die komplette Barockisierung des Innenraums entstehen in dieser Zeit. - Die romanische Kirche jedoch lässt sich im Osten (Kiliansplatz zwischen Dom und Neumünster) von außen noch immer betrachten, wo sie durch die Zeiten hindurch nicht angetastet wurde. Für die Besichtigung interessant ist, dass das Kilians-Oratorium sowohl von der Strasse aus, als auch durch zwei Zugänge vom Innenraum her betreten werden kann. Das Stift wurde mit der Säkularisierung 1806 aufgelöst. Seit 1908 jedoch fungiert die Neumünsterkirche neben dem Dom als zweite Pfarrkirche für die Altstadt. Und in den Jahren zwischen 1950 - 1967 bis zur Wiedereröffnung des Doms sogar als Hauptkirche der Stadt, da sie - obwohl natürlich ebenfalls furchtbar beschädigt - nach dem Krieg wenigstens nicht in sich zusammengebrochen war und relativ schnell wieder diensttauglich hergestellt werden konnte. Die letzten Restaurierungen und Neugestaltungen fanden zwischen 1983 - 85 bzw. 2007 - 09 statt. Letztere im Zusammenhang der Gestaltungsmaßnahmen in Sachen Kiliansplatz, Augustinerkirche, Dommuseum, Stift Haug und natürlich vor allem bzgl. des Innenraums im Dom selbst. - Manches davon ist einzigartig, manches unsäglich. Entscheiden Sie bitte selbst nach ihren persönlichen Eindrücken. Das ‘Neumünster’ im Video des Altstadtrundganges Die Stationen 2 (außen) und 14 (Innen) des Altstadtrundganges beschäftigen sich u.a. mit dem “Stift Neumünster”. Sehen Sie hier die entsprechenden Kapitel aus dem Video des Rundganges, das Sie sich auf Mein-Wuerzburg.com in voller Länge auch auf der zuständigen Seite Altstadtrundgang anschauen können.

Neumünster

Die Kiliansgruft

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Das Kircheninnere des Neumünsters

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