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Vom Eisenbahnerviertel zum Stadtteil mit studentischem Flair Im Norden der Stadt gelangt man von dem verkehrstechnisch etwas monströsen Kreisel (7 Zufahrten!), welcher ausserdem den Ringpark an dieser Stelle sprengt, über eine Eisenbahnbrücke in das dicht an den namensgeben Berg (evtl. Krähenhügel) gedrängte Viertel "Grombühl". Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand es zunächst als Eisenbahnerviertel und wuchs nach der Entfestigung und insbesondere nach dem Bau der Bahnbrücke rasch bis auf die heutige Grösse an. Die Gleisanlagen im Süden und das steile Gelände im Norden begrenzen die natürliche Ausdehnung. Obwohl aufgrund der Nähe zur Bahn im 2. Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen, sieht man nicht wenigen Strassenzügen die Gründerjahre noch an. Weniger repräsentativ als zum Beispiel im äusseren Glacis (Sanderau) oder dem Leistengrund, sind es doch Anlagen mit einer gewissen Lebensqualität bis zum heutigen Tag. In Grombühl leben heute - wie überall in Würzburg - zum einen seit Generationen Eingeborene, und zum anderen vor allem auch Studierende, welche die geschlossene Atmosphäre mit dem ganz eigenen Stadtteilflair schätzen. Für Würzburg kann man eigentlich nicht von dem Bestehen einer sogenannten alternativen Szene oder gar von 'Multikulti' sprechen, obwohl es überproportional viele ausländische Studierende in der Stadt gibt; wenn allerdings überhaupt, so liesse sich vielleicht in Grombühl ein wenig davon aufspüren. Am östlichen Rand des Viertels ist seit den 1910er Jahren die 'Luitpold-Klinik' als Universitätskrankenhaus mit inzwischen zahlreichen Erweiterungen entstanden, so dass sich auch von einem Bezirk im Bezirk sprechen lässt. - Der markante Schornstein der Pathologie (kein Witz!) mit seinem haubenartigen Helm ist so ziemlich das erste, was man beim Betreten der Stadt von Norden her, von der A7 kommend sieht. Beachtlich ist in jedem Fall auch das schon früh entstandene Identitätsgefühl innerhalb des Stadtteils. Das wird unter anderem sehr deutlich an den 22 Anwohnern, die sich 1889 zu einem Kirchenbauverein zusammenschliessen, welcher für die Errichtung der Stadtteil- Kirche "St. Josef" bis 1909 schliesslich die damals gewaltige Summe von fast 900.000 Mark aufgebrachte. Bei dieser Kirche handelt es sich um so eine Art neogotisches Bauwerk aus fränkischem Muschelkalk und von sehr beachtlicher Größe, das jedoch freilich eher in die Länge als in die Höhe strebt. In Ausführung, Gestaltung und Proportionen durchaus gelungen. Es finden darin bis zu 3.000 Menschen Platz, so dass 'St. Josef' nach dem Dom sogar die zweitgrößte Kirche Würzburgs ist. Der zentral als Carrée angelegte Wagnerplatz trug und trägt ebenfalls zum eigenen Stadtteilleben bei und bildet zusammen mit den benachbarten Geschäften und Cafés das soziale Zentrum. Nicht schlecht. Es gibt darüber hinaus heute auch ein Kulturzentrum, Theaterprojekte, gewachsene Kneipen und einige Dinge mehr, die gerade durch den definierten und begrenzten Raum die Lebendigkeit des Viertels spüren lassen. Hoch über Grombühl findet sich auf dem Kamm zwischen Schalksberg und Steinberg das  von dem Würzburger Verschönerungsverein ca. ab 1876 als Naherholungsgebiet angelegte 'Bismarckwäldchen' (Tipp: entweder zu Fuß je nachdem die Rotkreuzsteige, den Steinberg- oder Schalksbergweg nehmen oder mit dem Auto an den Unikliniken vorbei Richtung Oberdürrbach und auf dem Berg links in den Wald abbiegen). Dort wurde dann kurz nach 1900 einer dieser sogenannten 'Bismarcktürme' errichtet, wie sie damals massig und wuchtig als Feuertürme überall in Deutschland entstanden sind. Von der Stadt aus lässt sich der nur etwas mehr als 15 Meter hohe Turm (leider schon lange nicht begehbar, da im Inneren nicht mehr sicher) mit blossem Auge kaum finden, weil der umgebende Wald ihn verschluckt. Umgekehrt jedoch hat man eine grossartige Aussicht über die Stadt und das Maintal mit eben auch Festung, Käppele und Altstadt in einem Bild vereint. Das lohnt sich ebenso wie die Erkundung des Wäldchens, vielleicht in Verbindung mit einer kleinen Wanderung durch die berühmte Weinlage 'Am Stein'. Dort am Bismarckturm habe ich im Sommer 1990 auf dem Höhepunkt studentischer Tage zusammen mit anderen meinen 26 Geburtstag gefeiert. Live-Band (versorgt durch autonomes Stromaggregat), Fassbier, grosses Feuer, improvisierte Tanzfläche, ich glaube so ca. gefühlte 200 Leute ... hoch über Würzburg eine grossartige Erinnerung.

Grombühl

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