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Der erste Entertainer und Comedian Diesen Namen kennt nun wirklich jedes Kind. - Walther von der Vogelweide (ca. 1170 - 1230) war ein sogenannter Minnesänger. Er saß ständig auf einem Stein und kreuzte seine Beine und philosophierte über die Welt ... - Und sonst? Was machte ihn denn nun so bedeutend und was hatte er mit Würzburg zu tun? Gab es ihn überhaupt ...? Nun, die letzte dieser Fragen, die man sich stellt, weil man den Namen zwar kennt, aber ansonsten nicht viel weiß, ist gar nicht so unbegründet. In der älteren Kunst- und Literaturgeschichte gibt es häufiger Zusammenfassungen von z.B. bestimmten Stilen unter Namen, die es als reale Personen nicht wirklich gab bzw. nicht nachweisbar sind. Auch im Mittelalter gab es das noch. Bezüglich Walther existiert nur ein einziges Dokument, das ihn als Person tatsächlich nachweist; eine Art Ausgabenbeleg über einen Wintermantel, welchen der Passauer Bischof Wolfgar dem Herrn Walther von der Vogelweide schenkte. Es gab ihn also wirklich und er ist auch der Verfasser seiner Sammlung an Liedern und Texten, der umfangreichsten des hohen Mittelalters. Hinzu kommen ausserdem diverse indirekte Nachweise, da Walther wohl eine Persönlichkeit war, welche schon die Gemüter seiner Zeitgenossen in verschiedene Lager teilte. Je nach Standpunkt gibt es Quellen, die in der ein oder anderen Weise über ihn sprechen. Z.B. nimmt Wolfram von Eschenbach, der Verfasser des berühmten 'Parzeval' (übrigens zumindest teilweise wahrscheinlich während Eschenbachs Zeit im nahen Wertheim entstanden) Walther trotz einigen Spotts ob dessen Eitelkeit in Schutz. So auch Gottfried von Straßburg, der Verfasser des 'Tristan', in dem er Walther sogar einen Auftritt gewährt und ihn neben Reinmar als den grössten Lyriker bezeichnet. A propos Reinmar, Walthers geistige Fehde mit diesem klassischen Interpreten der hohen Minne war legendär. Gefürchtet auch die politische Dichtung Walthers. Er griff vehement auf Seiten Philipp v. Schwabens im Streit mit Otto um die deutsche Krone ein, und ist auch für alle Zeit durch seine Spottverse über Papst und Papsttum mit Innozenz III. in der Geschichte verbunden. Kann es da wirklich ein Zufall sein, dass ausgerechnet Friedrich II., der wegen seiner ungewöhnlichen Haltungen und Lebensweise 'Das Staunen der Welt' genannt wurde und als Kind zum Spielball und Faustpfand im Kampf der Mächtigen eben jenes Innozenz III. geworden war, Walther ein Alterslehen verliehen hat? - Wohl eher nicht. Um 1220 herum dichtet Walther also "ich hân mîn lêhen, al die werlt, ich hân mîn lêhen". Offiziell gab Kaiser Friedrich II. - welcher von Walther nur gehört haben konnte und ihn keinesfalls persönlich kannte - ihm unmittelbar oder sogar anlässlich seiner Thronbesteigung dieses Lehen, das sich bei Würzburg befunden haben soll. Nach einem langen Wanderleben an den Höfen seiner Zeit hatte der berühmte Sänger und Dichter somit sein Auskommen fürs Alter. Er soll den letzten Abschnitt seines Lebens im Würzburger Neumünster Stift zugebracht haben, wo er auch begraben liegt. Jedenfalls spricht einiges dafür. Ganz genau weiß man es jedoch nicht (es gibt noch mindestens 2 weitere mögliche Sterbeorte, Würzburg ist aber sehr wahrscheinlich). - Sie finden das Grab im Lusamgärtchen der Neumünsterkirche mit dem kleinen romanischen Kreuzgang, welcher dort ebenfalls aufgestellt ist. Bewunderer Walthers legen noch heute regelmüßig frische Blumen ab und die kleine Vogeltränke im Grabstein geht angeblich auf einen Wunsch des Dichters selbst zurück. Auch wenn es uns im Täglichen nicht bewusst ist, im deutschen Sprachgut spielt Walther eine wirklich grosse Rolle, denken wir z.B. nur einmal an "Unter den Linden ...". Und jetzt wissen wir auch, warum Würzburg das Andenken von Walther von der Vogelweide sorgsam bewahrt. - Wenn Sie gerne auf unterhaltsame Weise mehr über den Dichter und Sänger erfahren wollen, so sei dafür der 2011 erschiene Roman "Das Spiel der Nachtigall" der aus Bamberg stammenden Autorin Tanja Kinkel zur Lektüre empfohlen.

Walther von der Vogelweide