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Für manche das einzig wahre und echte Würzburg So alt wie die die Stadt selbst ist linksmainisch das 'Mainviertel' an Fluss und Fuß des Marienberges, welches der Volksmund liebevoll fränkisch "Meeviertel" nennt. Gemeint ist damit, dass man hier wirklich in Würzburg angekommen ist. Über Generationen eingeborene Anwohner sind - wie in der Pleich und an ein paar anderen Stellen der Stadt - stolz auf die unverbrüchliche Zugehörigkeit zu ihrem Viertel und verstehen dies auch als Teil ihrer Identität. Letztlich besteht der eigentliche Stadtteil nur aus einigen wenigen Strassen und Gassen, da zum einen überall der Marienberg mit der Festung im Weg steht und zum anderen die befestigte Stadt auf dieser Seite des Mains keine grössere Ausdehnung zuliess, nachdem das Hauptsiedlungsgebiet auf der rechten Mainseite entstanden war. Der einst malerische mittelalterliche Charakter ist mit der Bombardierung im 2. Weltkrieg gerade hier leider für immer verloren gegangen, da nur die wirklich bedeutenden Monumente wieder errichtet werden konnten und - viel mehr noch als auf der Altstadtseite - grosse Lücken nach und nach mit funktionalen Zweckbauten gefüllt wurden. Mit der Stadt verbunden ist das Viertel direkt über die Alte Mainbrücke (15. - 17 Jhdt.). Im Süden wird es begrenzt durch die wunderbar und direkt am steilen Hang unter der Festung Marienberg gelegene Anlage St. Burkard sowie dem benachbarten "Burkarder Tor" und einer der wenigen erhaltenen Bastionen der Stadtbefestigung. Gewissermassen in der Mitte an der Zeller Berg genannten Anhöhe ist das Herzstück die gotische Deutschhauskirche aus dem 13. Jahrhundert und dem dahinter anschliessenden Schottenanger (der Name rührt von dem vormaligen Benediktinerkloster - heute Don-Bosco-Werk - her, das auch als 'Schottenkloster' bezeichnet wurde, da im hohen Mittelalter aufgrund des Kiliankultes viele Iren als Geistliche nach Würzburg kamen, die man seinerzeit auch 'Iroschotten' nannte) als zentralem Platz des Viertels, wenn man so will. Nach Norden hin fand das Viertel schliesslich seinen Abschluss in der Begrenzungsmauer vor Beginn der lang geschwungenen Mainkurve ca. auf der Höhe der gegenüberliegenden Stadtgrenze bei der alten Furt. Nach Westen hin reichte die Tiefe nur einige wenige 100 Meter bis zum “Zeller Tor” gleich auf der Anhöhe, wenn man die gleichnamige Strasse heraufkommt. Klein, aber fein möchte man sagen. Geschichte und Geschichten sind so spannend wie ein Mittelalterroman, der hier wirklich einmal zu schreiben wäre. Gesiedelt wurde an diesem Platz wahrscheinlich schon seit der keltischen Fliehburg auf dem Marienberg im vorchristlichen Jahrtausend, in jedem Fall aber vermehrt ab der Zeit der fränkischen Landnahme um 500 n. Chr. herum. Das ist auch die Zeit, zu der die erste Rundkirche im heute inneren Festungshof entstand. Ein Teil des heutigen Mauerwerks dieses Baus bis in etwa Kniehöhe reicht wohl bis auf einen solchen Vorgängerbau zurück. - Und eigentlich ist es auch so, dass der Festungsberg selbst zum Mainviertel gehört, denn früher hieß es 'die Feste Marienberg mit dem Meeviertel', aber dies würde das Kapitel hier absolut aus den Angeln heben und soll von daher und aus ordnungspolitischen Gründen getrennt behandelt werden. Mit der Gründung des zunächst 'St. Andreas' benannten Klosters "St. Burkard" zur Mitte des 8. Jahrhunderts am Fuß des steil aufragenden Berghanges entsteht ein erstes Ausrufezeichen der Nachhaltigkeit, welches natürlich auch die angrenzende Besiedlung stark befördert. Burkard war der erste Würzburger Bischof des von Bonifazius im Zuge seiner Maßnahmen zur Kirchenverwaltung im Jahr 742 gegründeten Bistums. Das ursprüngliche Kloster befand sich allerdings einige Dutzend Meter weiter am Ausgang des sogenannten Leistengrundes möglicherweise dort, wo wir heute eine ausgedehnte Strassenkreuzung vorfinden. Nach einem Brand wurde St. Burkard schliesslich um das Jahr 1033 herum in der Nachbarschaft am heutigen Standort als klar und in für die Zeit neu definierten architektonischen Strukturen als 3-schiffige Basilika mit Westwerk neu errichtet und 1042 geweiht. Verschiedene Ergänzungen und auch Abbrüche lassen heute den Kern des Bauwerks nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, insbesondere weil der spätgotische Hochchor (um 1490 herum) den Blick auf das Wesentliche aus den meisten Perspektiven heraus etwas verstellt. Weitere Ergänzungen sind das Seitenportal mit der als 'Paradies' bezeichneten und sehr sehenswerten Portalvorhalle aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts sowie auch die polygonale Erhöhung der Osttürme mit ihren Helmen in der Mitte des 13. Jahrhunderts, wie es dem Stil jener Zeit entsprach (siehe auch Osttürme des Domes in etwa zur gleichen Zeit). Im Inneren finden sich Werke verschiedenster durch die Epochen der Stadt tätigen Künstler, von denen hier stellvertretend nur eine 'Riemenschneider-Madonna' genannt sei, welche - wohl um 1490 herum entstanden - dem Frühwerk des Meisters angehört. Das Einzigartige an St. Burkard ist jedoch, dass dieser Bau den endgültigen Übergang von der Ottonik zur Romanik markiert. Er gilt vielen als der erste tatsächlich romanische Sakralbau und nimmt damit eine herausgehobene Stellung in der Architekturgeschichte ein. - Besonders gut erkennen und mit dem Auge geistig nachzeichnen lässt sich das architektonische Grundkonzept, wenn man von der Festung aus einen Blick darauf wirft und sich dabei den wuchtigen, gotischen Ostchor wegdenkt. Von St. Burkard nur wenige Meter südlich steht mit dem "Burkarder Tor" eines der zwei noch erhaltenen Tore (auch das Zeller Tor markiert einen ehemaligen Zugang zum Mainviertel) der ehemaligen Stadtbefestigung. Das Tor entstand in den 70er Jahren des 17. Jhdts. gemeinsam mit der darüber liegenden Bastion im Zuge des barocken Ausbaus der Stadtbefestigung durch den Stadtbaumeister Antonio Petrini. Stadtauswärts wirkt die Rustika-Gliederung unterhalb des Torgiebels trutzig und wehrhaft. Der Durchgang ist ungewöhnlich lang, da er unter der Bastion (muss man sich vorstellen wie eine kleine Burgverteidigung im einzelnen) fast an ihrer größten Ausdehnung hindurchführt. Auch die benachbarte Autostrasse führt heute hindurch, freilich im Sinne einer neuzeitlichen Unterführung. Auf der Bastion selbst finden wir heute die Burkarder Grundschule errichtet und eine Freifläche, groß genug, um z.B. in 1988 eines der ersten "Umsonst&Draußen-Festivals" aufzunehmen, als dieses noch nicht so bekannt war. - Wenn man über den Treppenzugang hinauf kommt, ist man erstaunt diesen Platz dort oben vorzufinden und versucht auszurufen, wie das nur sein kann. Toller Effekt. Zur Verteidigung konnte ein schweres Fallgitter herabgelassen werden und durch die Schiesscharten einer nebenliegenden Kasematte liess sich die langestreckte Brücke über den vor dem Tor liegenden 'Burkarder Graben' sozusagen auf Augenhöhe unter Feuer nehmen. Heute haben wir dort eine kleine Grünanlage mit Teich, die angesichts der schweren Bebauung inmitten der Stadt unvermutet idyllisch wirkt. In alter Zeit gab es vor dem Tor eine Zugbrücke, die es verschliessen konnte. Die Burkarder Brücke führte über den gleichnamigen "Burkarder Umlaufkanal", welcher von hier aus durch einen Bastionstunnel und hinter St. Burkard (dafür wurde der Westchor mir seinen Türmen abgebrochen) entlang führte, bis er bei der 'Tivoli Bastion' wieder in den Main führte. Hintergrund für die Anlage war es, mit den Lastkähnen und Fischerbooten die kleine Staustufe an der Alten Mainbrücke zu umgehen, welche seit der Mitte des 17. Jhdts. zum Betrieb der dortigen Mainmühle (eine Reaktion auf die Versorgungsnot im 30jährigen Krieg) angelegt worden war. Das damals angelegte lange Streichwehr zur Mühle hin bestimmt noch heute das Schauspiel des Mains an der Alten Mainbrücke. Der Umlaufkanal war eine echte stadtplanerische Schau seiner Zeit inkl. Schleuse, Pumpwerk zur Versorgung des Viertels und der bischöflichen Schönfärberei, welche auch zu mancher Verfärbung des Flusses beitrug. Als nach dem 2. Weltkrieg linksmainisch die heutige Schleusenanlage für sogenannte Großschifffahrt entstand, wurde der Kanal endgültig nicht mehr benötigt und aufgefüllt. Schade eigentlich. Während einer Erkundung des Mainviertels ist es wahrscheinlich, dass der Weg auch einmal entlang der "Burkarder Strasse"  führt, welche sich parallel zur Saalgasse (Autostrasse erhöht auf dem ehemaligen Festungswall entlang des Mains) von der Alten Mainbrücke bis zur Burkarder Kirche erstreckt, wo sie heute als Sackgasse endet. Von der Brücke kommend liegt gleich rechter Hand das "Spitäle". Dabei handelt es sich um eine spätgotische Kirche des damaligen Hofspitals aus dem späten 15. Jahrhundert, welche jedoch 1794 einen klassizistischen Umbau erhalten hat, der ihr besonders im Ausdruck für den eher kleinen Bau sehr mächtigen Fassade (Eckpilaster und Säulen tragen Architraph und Giebelfeld) das heutige Erscheinungsbild verleiht. In dem Gebäude sind seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wechselnde, zumeist beachtliche Ausstellungen des Verbandes der Künstler Unterfrankens (VKU) zu sehen und finden ausgesuchte Konzerte sowie kulinarische Abende statt. Die Saalgasse (der Name geht auf den Saal des früheren Brückengerichts zurück) ist die die Autostrasse am Main entlang und heute eine der grösseren Verbindungslinien der Stadt. Von der Mainbrücke aus nach Süden stehen ein paar Häuser, sonst nichts. Das war nicht immer so - man ahnt es schon - und alte Pläne zeigen es. Das Haus mit der Nummer 6 sieht ein wenig unscheinbar aus, gehört aber zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten der Stadt und beherbergt Historisches. Hier ist mit der im Jahr 1010 gegründeten "Fischer-Zunft" eine der ältesten Zünfte Deutschlands an der nach wie vor historischen Stätte zu Hause. Der Zunftsaal kann inklusive einer Sammlung zur Zunftgeschichte besichtigt (leider seltene Öffnungszeiten) werden, was man bei einem Rundgang durch das 'Meeviertel' durchaus tun könnte. TIPP: Dort wo der ehemalige Umlaufkanal wieder in den Main floss, kommt man von der Burkarderstrasse durch eine Unterführung zu den Mainwiesen und dem Biergarten "Die Goldene Gans". Das ist ansich nichts besonderes, wenn es da nicht einen besonderen Gerstensaft aus der eigenen Hausbrauerei gäbe. Die ist in dem Gewölbekeller des Hauses 'Goldene Gans' (Burkarderstrasse 4) erst seit 1989 beheimatet, welcher in den ersten Jahren auch als Brauhaus bewirtschaftet wurde. Ebenerdig gibt es dort immer mal wieder verschiedene Pächter. - Und warum einmal nicht ein solches Projekt auch in der Neuzeit gestalten?! Es gibt die verschiedensten Biere, die alle eines gemeinsam haben; sie schmecken außerordentlich lecker! Das kann man gerne einmal versuchen. Nachdem es in Würzburg schon ca. 18 Brauereien gegeben hat, ist die 'Hausbrauerei Goldene Gans' zur Zeit die einzige Brauerei neben der "Würzburger Hofbräu". Es gibt in der "Burkarderstrasse" noch ein paar weitere Highlights der Erinnerung an das alte Würzburg wie etwa das Tor zum Burkardushof rechts ca. in der Mitte des Strassenzuges; es handelt sich um ein ehemaliges Ritterstift. Und dann natürlich das "Neumann-Haus" rechts kurz vor St. Burkard als eines seiner ersten Architektur-Arbeiten 1719 (Neumann errichtete hier mehrere Häuser, die alle eine gewisse Ähnlichkeit zueinander aufweisen). Direkt bei der Kirche ‘St. Burkard’ beginnt der grossartige Weinwanderweg, welcher zunächst die Stadtlage am Marienberg und dann diejenige über dem sogenannten Leistengrund bis schliesslich zur Festung hinaufführt. Es ist ein Wein-, Natur- und Urban- Erlebnis zugleich mit immer wieder wechselnden Ausblicken, einer spannender als der andere. - Wenn Sie Würzburg mit ein wenig Zeit besuchen, dann setzen sie diesen Weinspaziergang zur Festung bitte ganz oben auf Ihre Liste. Von der Stadt aus gesehen führt der kürzeste Weg zur Festung bei der Alten Mainbrücke am Beginn der 'Burkarderstrasse' über die "Tellsteige" und Ihre Treppen. Die auch heute - trotz der Zerstörungen des Krieges - noch recht malerische Gasse hat ihren Namen nicht etwa von dem berühmten Kämpfer für eidgenössische Freiheit, sondern von dem Wort 'Telle', das sich auf eine Einbuchtung in der Topografie bezieht. Man könnte wohl auch von einer 'Delle' sprechen. Diese Gasse hat auch so Ihre Stadtgeschichte. Dort wo heute die Treppe ('Tellstiege') endet und auf die weitläufige Grünfläche des Berges trifft, hat die Stadt einst das "Telltor" mit weiteren Abgrenzungsmauern vor dem Hintergrund der anhaltenden Spannungen zwischen Bischof und Bürgern errichtet, um genau kontrollieren zu können, wer in der Festung so ein und ausging. Kleinere Auseinandersetzungen waren in der Folge immer mal wieder eher die Regel als Ausnahme. Während des für Würzburg sehr blutigen Bauernkrieges 1525 wurde von hier aus auch die Festung mehrfach und letztlich erfolglos berannt. Und schliesslich war es auch genau diese Stelle, an der der schurkische Ritter Wilhelm v. Grumbach dem Fürstbischof Melchior Zobel aufgrund einer Fehde zusammen mit einer Schar gedungener Gestalten im April 1558 einen Hinterhalt stellte, in dem dieser mit dem Ruf "Pfaffe, Du musst sterben!" von Schüssen tödlich verwundet wurde. Zobel erreichte zwar noch das Tor zur Vorburg, verstarb dort jedoch. - Den Schändlichen ereilte übrigens Jahre später zu Gera in einer anderen Sache das jener Zeit noch recht beliebte 'Vierteilen'. Von der Tellstiege aus führt ein Weg den Berg hinauf zum "Neutorgraben". Dort hat man auf einer Plattform einen wunderbaren Panorama- und Fotoblick (natürlich auch weiter oben an verschiedenen Stellen) zur Altstadt hinunter. Das besondere an dieser Stelle ist, dass sie in einer direkten Achse zur Alten Mainbrücke, der Domstrasse, dem Dom sowie der Residenz liegt. Eine moderne Skulptur aus Edelstahl erinnert an die Ereignisse des Bauernkrieges 1525 genau an diesem Ort. - Durch das "Neutor"  gelangt man über die Anlage eines weiteren Vorberges hinauf zur Festung. An der Tellsteige befand sich bis 1876 auch das bischöfliche Brauhaus (Würzburger Hofbräu), bevor es nach der Entfestigung an seinen heutigen Standort umzog. Parallel zur Tellsteige führt die 'Zeller Strasse' gewissermassen als Hauptweg die Anhöhe hinauf in Richtung des weiter draussen gelegenen Stadtteils 'Zellerau'. Auf halber Höhe liegt rechter Hand die gotische "Deutschhauskirche" aus dem 13. Jahrhundert  und das sich anschliessende Konventsgebäude des Deutschordens von Antonio Petrini aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Kirche und der Ort als solcher sind einer Betrachtung wert. Dort nämlich, wo wir heute das Kirchenschiff sehen, befand sich bis nach ca. 1220 die Königspfalz von  Friedrich I., genannt 'Barbarossa'. Diese wird, von der Strasse aus gesehen, auch das Gelände (Kirchhof) hinter der Kirche umfasst haben und war gewiss auch von der rechtsmainischen Stadtseite aufgrund ihrer erhöhten Lage gut zu sehen. Über die genaue Ausdehnung, die Gebäude, deren Anordnung und Ausgestaltung ist leider so gut wie nichts bis überhaupt nichts bekannt oder gesichert. Man weiss eigentlich nur, dass sie da war. Dennoch darf man annehmen, dass diese Pfalz so 'mickrig' oder zur Gänze unbedeutend nicht gewesen sein wird, denn Barbarossa - ein Reisekönig - hielt sich häufig und gerne in Würzburg auf. Hier hielt er nicht weniger als 8 Hoftage ab, empfing weitgereiste Delegationen und heiratete 1156 die ebenso schöne wie blutjunge Beatrix von Burgund. Diese Würzburger Kaiserhochzeit gilt immerhin als das prächtigste Gesellschaftsereignis des hohen Mittelalters und findet sich allegorisch vielfach beschrieben in den wichtigsten literarischen Werken des Mittelhochdeutschen. So ist es wohl doch mehr als nur Vermutung, wenn man davon ausgeht, dass dieser Ort seine repräsentativen Aufgaben erfüllt haben wird. - Nach dem Tod Barbarossas geht die Pfalz in den Besitz des Fürstbischofs über und nicht etwa an Heinrich VI. als neuem König und römischem Kaiser. Die Gründung des "Deutschen Ordens" war eine unmittelbare Folge des dritten Kreuzzuges, auf dem der Kaiser Barbarossa in Kleinasien beim Baden starb. Die großzügige Überlassung der ehemaligen Kaiserpfalz 1219 an diesen Orden durch Bischof Otto I. von Lobdeburg und auch dessen Erhebung um 1200 herum in den Stand eines Ritterordens, an dem ebenfalls ein Würzburger Bischof entscheidenden Anteil hatte, mag mit dieser Kausalität zusammenhängen. Uns aus dem Geschichtsunterricht bekannt wurde der Deutsche Orden jedoch vor allem durch seine Siedlungsnahmen in späteren Jahrhunderten auf Gebieten des heutigen Polen und des Baltikum. Die Würzburger Niederlassung war als Kommende - größere Niederlassung und Verwaltungssitz - durch weitreichende Schenkungen (diese Geschichten und Hintergründe sind allein schon hochspannend und wären Romanerzählungen wert) rasch zu Wohlstand gekommen und vor allem in den ersten beiden Ordensjahrhunderten auch sehr einflussreich. Dies betraf sowohl die Geschicke des Ordens, als auch diejenigen des Reiches. In späteren Jahrhunderten und wechselnden Ereignisgeschicken, wie beispielsweise der vollständigen Plünderung im Zuge des Bauernkrieges und Zerstörungen während des 30jährigen Krieges, beschränkte sich das Wirken der Kommende mehr und mehr auf die Verwaltung der umfangreichen Besitztümer. Davon zeugt auch der barocke  Ordensneubau 1694 durch Antonio Petrini, den man von der Kirche über einen Durchgang sogar direkt erreicht. Immer häufiger traten Kleinadelige als Ordensbrüder in Erscheinung, die hier eine Heimstatt für sich fanden. Das Verhältnis zur Stadt darf man alles in allem als gut gelitten ansehen. - In Würzburg kam das Ende der Präsenz schliesslich mit der Säkularisation bzw. durch Napoleon höchstselbst in 1809. Der Orden als solcher besteht jedoch bis in unsere Tage hinein (allerdings nicht mehr in Würzburg) und widmet sich heute vor allem karitativen Aufgaben. Angesichts von Geschichte und Bedeutung der Niederlassung in Würzburg verwundert es nicht, dass bereits Mitte des 13. Jahrhunderts ein so beeindruckendes Bauwerk wie die ‘Deutschauskirche’ entstand, welche nicht nur durch ihr so klares wie auch schlichtes, auf das wesentliche konzentrierte Raum- und Architekturkonzept ins Auge sticht, sondern auch aufgrund ihrer ganz eigenen Besonderheiten. Zu nennen wäre da beispielsweise die starke Neigung der Hanglage. Das ist normalerweise nicht der Ort, der sich gerade für einen hoch aufstrebenden Kirchenbau anbietet. Dann ist da auch das ausschließliche Seitenportal als Hauptzugang zur Zeller Strasse hin, auf die es nicht einmal in wirklich repräsentativer Weise treffen kann. Und schiesslich natürlich der Schwibbogen unter dem westlichen Langhaus, welcher den Durchgang zum Schottenanger gewährleistete. Hierfür war eigens die päpstliche Genehmigung eingeholt worden; in der Geschichte die erste dieser Art. Das alles spricht für die Bedeutung und die Wichtigkeit, den gerade dieser Platz auf diese Weise für die Ordensritter besass. Es mag mit der Vorgeschichte zu tun haben. Zur Architektur des Bauwerks selbst möchte ich sie hier - wie auch anderenorts - nicht mit Fachsimpelei beeindrucken oder gar langweilen. Vielmehr möchte ich sie auffordern, selbst genau zu betrachten und nach ihrer eigenen Facon zu erspüren, welche Details sie dabei wohl ansprechen und warum sie das tun. Gestaltung und Anordnungen des Portals, Strukturen der Kreuzgrade im Gewölbe mit seinen Kappen, die Wirkung des Lichts und der hoch aufschiessenden Spitzbogenfenster, die Ausstattung des Innenraumes, der im Ursprung romanische Turm mit der Kapelle im Untergeschoss ... - Viel Freude dabei, es lohnt sich. Unter dem Schwibbogen hindurch erreicht man nach ein paar Metern den 'Schottenanger' genannten Platz (leider irgendwie nur Parkplatz heute) mit der Anlage des "Schottenklosters" (heute Don-Bosco-Werk), das im 12. Jahrhundert von bzw. für irische Mönche gegründet wurde, die man hierzulande eben "Iroschotten" nannte (siehe auch weiter oben) und die auf den Spuren ihrer missionierenden Landsleute und Märtyrer wandelten. Um 1500 herum wurde das Kloster allerdings wieder aufgegeben, kam unter verschiedene Verwaltungen, bis eine wechselvolle Geschichte es der Verwendung durch das Don-Bosco-Werk zuführte. Die ursprünglich romanische Klosterkirche St. Jakob erfuhr im Lauf der Zeit viele Umbauten, so dass von der eigentlichen Anlage nicht so sehr viel nachvollziehbar bzw. nur für Leute vom Fach wirklich zu erkennen ist. Vom 'Schottenanger' führt eine kurze Strasse nach Westen zu einem Parkplatz und dem "Zeller Tor", das unter der dort noch vorhandenen Bastion hindurch führt. Zur damals sehr gelungenen Landesgartenschau 1990 gab es hier einen der Zugänge und war ausserdem der Informationsbereich sowie weiter unten bei den Parkplätzen beim Nautiland-Schwimmbad (indirekt sogar ein Projekt dieser LGS) das Versorgungsdorf mit diversen Imbissständen, Biertischen etc. (... in dem ich damals einen Sommer lang arbeitete). Das 1666 erbaute "Zeller Tor" ist dem 'Burkarder Tor' von der Befestigung der Anlage (Kasematten, Fallgitter, Krümmung des Durchgangs etc.), der baulichen Situation und den architektonischen Gliederungen her recht ähnlich. Beide wurden durch Antonio Petrini erbaut. Auch hier führte z.B. stadtauswärts eine langstreckte Arkadenbrücke über den breit angelegten Graben. Bei den Bauarbeiten zur neuen Strassenbrücke (Zellerstrasse) über das Gartenschaugelände wurden zwei Bögen dieser Brücke 1988 unerwartet freigelegt und in die Schau integriert. Das Tor trägt im Giebel das Wappen des ersten Schönbornfürsten. Darüber schliesst sich ein Wachhaus für die Besatzung der Bastion an. Diese war eine der größten und am Stärksten befestigten, da ein Angriff sowohl auf die Stadt als auch die Festung von dieser Seite her für jeden Angreifer die meisten Möglichkeiten bot. Diese Bastion ist heute ein wunderbar wiesen- und baumbestandener Ort, an dem sich zur Gartenschau 1990 ein sogenannter Klanggarten mit faszinierenden Installationen befand. Leider ist sie aktuell aufgrund von baulichen Gefahren nicht mehr wirklich begehbar. Schade, sogar sehr schade. Am 'Schottenanger' rückwärtig zur Don-Bosco-Kirche schliesst sich gegenüber eine weitere Bastion der früheren Anlage an, auf der sich einige Häuser und v.a. Einrichtungen von Don-Bosco befinden. Es ist alles in allem etwas schade, dass jenseits der Festung Marienberg die Stadt Würzburg seit über 150 Jahren noch immer wenig bis sehr wenig Wert darauf legt, ihre ehemalige Eigenschaft als Festung stärker zu dokumentieren und stadtplanerisch zu nutzen. Das Landesgartenschaugelände beginnt eigentlich bei der "Rankenpyramide" (bewachsene Stahlkonstruktion) an der Friedensbrücke bei der nördlichen äusseren Begrenzung des Mainviertels. Durch den sogenannten Luitpoldgraben mit viel Wasser, verschiedenen Gräsergärten und natürlich Blumengeschichten sowie dem noch heute von den Bauideen her sehr interessanten "Ökohaus" gelangt man an das 'Zeller Tor'.  Von dort aus führt ein Steg - die Brücke von einst ist ja nicht mehr da -  in den Graben zu einem für die Gartenschau angelegten Teich und Kneipp-Kräutergarten hinunter. Unter der Strassenbrücke hindurch geht es danach sehr weiträumig angelegt den 'unteren und oberen Höchberger Graben' bis schliesslich zu den im Westen des Marienberges gelegenen Anlagen auf dem Bergrücken hinauf. Angefangen mit einem sehr beliebten Spielplatz, dessen Wasserbauanlagen besonders für jüngere Kinder Abenteuercharakter haben (dient sogar familiär-urbanen Picknick-Gelegenheiten) über diverse Skulpturen, einem japanischen und einem schottischen Garten jeweils aus Partnerstädten, einem Rosengarten und etlichen weiteren Entdeckungsmomenten für das Auge und die Seele. Inmitten der immer mächtiger werdenden Festungsmauern ist das besonders an einem sonnigen Tag auch viele Jahre nach der eigentlichen Landesgartenschau ein absoluter Genuss und ein Geschenk für das "Meeviertel".

Das Meeviertel

Stadttore der barocken Befestigung

Burkarderkirche

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Highlights im ‘Meeviertel’

Von der Kaiserpfalz bis zum Deutschen Orden

Profitiert das historische ‘Zeller Tor’ von einer Landesgartenschau?!