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Sozialer und bildungspolitischer Fortschritt versus Gegenreformation Neben den erst nach ihm kommenden Bischöfen der Ära Schönborn ist es wahrscheinlich Julius Echter, welcher als Fürstbischof am deutlichsten seine Spuren in der Stadt hinterlassen hat. Das liegt natürlich einerseits an den vielen Monumenten und Einrichtungen, die er Würzburg hinterliess, aber andererseits auch an seinem Eifer in allen Angelegenheiten der Gegenreformation. - Aus heutiger Sichtweise heraus sind es durchaus zwei Seiten ein und derselben Medaille, die wir da betrachten. Echter regierte als Fürstbischof von 1573 bis 1617. Man begegnet ihm wirklich überall in Stadt und Umland, gut erkennbar an seinem Wappen mit Rennfähnlein, fränkischem Rechen und den jeweils 3 diagonalen Ringen. Sein Wirken markiert eine eigene Epoche intensiven Handelns sowohl bei der Bautätigkeit, Sozialem, Bildung, Verwaltung als auch im Rahmen der Gegenreformation und Dingen wie das Verbrennen sogenannter Hexen. Aber nun doch ein klein wenig der Reihe nach. - Der hochbegabte junge Mann aus dem beschaulichen, irgendwie im Wald versteckten Schlösschen Mespelbrunn machte schneller Karriere als die Kirche mithalten konnte, nachdem er 1569 Domkapitular in Würzburg geworden war. Bei seiner Wahl zum Fürstbischof 1573 ist er noch nicht zum Priester geweiht und kann dies erst bis 1575 nachholen. Die Renaissance ist inzwischen auch in der Architektur nördlich der Alpen voll angekommen und sehr gut erkennbar in den Bauten der Zeit. Im Rahmen der von Echter gestifteten oder initiierten Bauten ist oft von einer sogenannten "Echtergotik" die Rede, da bewusst vormalige alte Elemente eingeflochten sein sollen. Keine Ahnung, wer sich solche Dinge ausdenkt, aber ich zumindest kann und will das so nicht erkennen. Es gibt einfach zu allen Zeiten und Stilen immer bestimmte, speziell regionale und baumeisterliche Handschriften. 1579 gründet Echter mit dem "Juliusspital" das damals größte Krankenhaus Europas. Als Gründungsmotiv kann man durchaus vermuten, dass die Armen mit ja doch immer Krankheits- und Pflegeproblemen in der Familie nicht zum Protestantismus überlaufen sollten. Der gewählte Bauplatz im Norden direkt an der damaligen Stadtmauer und oberhalb der Pleich ist der unglaublichen Größe des Projekts geschuldet. Echter hatte keine Skrupel, dafür den ‘für alle Zeit gepachteten jüdischen Friedhof’ einebnen zu lassen; sowieso ließ er die Angehörigen dieses Volkes per Erlass aus der Stadt weisen. Der erste Komplex aus der Zeit um 1585 umfasste bereits 4 Flügel um einen sehr geräumigen Innenhof herum, der den Patienten zur Erholung diente, sowie ein grosses Tor jeweils im Norden und Süden. Seine heutige Gestalt erhielt das Spital nach einem Brand zunächst durch die Würzburger Hofbauarchitekten Antonio Petrini und Joseph Greising zwischen 1700 - 1714 und schliesslich im Rahmen einer weiteren Umbauphase 1785 - 1793. Die Stiftung - ebenso wie das Bürgerspital - bewirtschaftet umfangreiche Besitzungen mit u.a. ca. 177 ha Weinbergen (zweitgrößtes Weingut in Deutschland, dessen Produkte z.B. die aktuelle Königin von Großbritannien sehr schätzt). Der Schwerpunkt der Arbeit liegt nach wie vor auf dem Krankenhaus im historischen Komplex mit 365 Betten sowie einem Seniorenstift. 1582 erfolgt die Neugründung der Universität ebenfalls im Zuge von Maßnahmen der Gegenreformation (Nicht-Katholiken wurden erst ab 1734 zugelassen). Der - ebenso wie das Juliusspital - nach Plänen des Mainzer Architekten Georg Robin erbaute Universitätskomplex gehört zu den bedeutendsten erhaltenen und reinen Universitätsbauten Europas. Die eingebundene "Neubaukirche" zählt zu den wichtigsten Renaissancebauten nördlich der Alpen und dient noch heute als Aula der Universität sowie aufgrund ihrer sehr besonderen Akustik (Saalkirche) für ausgesuchte Konzerte. Der aufragende Glockenturm (auch Fassaden am Komplex) ist eine Schöpfung von Petrini und der höchste in Würzburg. Noch heute trägt die Universität ein "Julius-" im Namen und ist eine sogenannte Volluniversität mit allen klassischen Fakultäten und Fächern im Angebot. Sie hat bisher 14 Nobelpreisträger hervorgebracht sowie eine weitere Reihe herausragender Forscherpersönlichkeiten, welche hier studierten oder lehrten. Jeder 4. Bürger der Stadt ist Angehöriger der Universität; ein typischer Wert für sogenannte alte Universitätsstädte. Im weiteren bleibt von jener Zeit vor allem im Gedächtnis, dass vielen Protestanten unter Julius Echter letztlich dann doch nur die Auswanderung blieb. Oft wird Echter auch als ‘Hexenbischof’ beschrieben. Jedoch widerspricht dies nun den Erkenntnissen der jüngeren Forschung. In Echters Regierungszeit fällt zwar das Aufkommen von Hexenprozessen, er selbst jedoch spielte dabei keine tragende oder gar treibende Rolle. Im Gegenteil setzte er sich im Zuge der Prozesse immer wieder für die strikte Einhaltung der damaligen Rechtsstaatlichkeit ein, liess Urteile neu überprüfen oder hob sie mithin auch auf. Erst während seiner letzten beiden Lebensjahre sind stark ansteigende Opferzahlen in ländlichen Regionen des Hochstifts zu verzeichnen, wie etwa in Gerolzhofen. Gleichwohl bleibt als Landesherr natürlich die Verantwortung dafür bestehen, dass es überhaupt geschehen konnte. Der eigentliche Irrsinn der Hexenverfolgungen begann erst unter Echters Nachfolgern im Amt des Fürstbischofs, Johann Gottfried v. Aschhausen und Philipp Adolf v. Ehrenberg. Jetzt galt: Wer unliebsam auffiel, wen man loswerden wollte oder einfach nicht in das Normgerüst der Gesellschafft passte, der/die geriet in dieser Zeit nur allzu leicht in Verdacht mit teuflischen Kräften im Bunde zu stehen. Öffentliche Schauprozesse und Hinrichtungen waren der Ausdruck im Kern hilfloser Gegenreformation und gesellschaftlich kleinkarierter Machttrunkenheit. Es traf absolut jeden; Frauen, Männer, Kinder, Bauern, Bürger ebenso wie Adelige, Gelehrte und selbst Priester etc. In der Stadt Würzburg brannten insgesamt ca. 200 Menschen am unteren Markt und in der Sanderau, im gesamten Hochstift / Bistum weitere 900. Als letzte Würzburger Hexe wurde die Ordensfrau aus dem Kloster Unterzell Maria Renata Singer 1749 hingerichtet. Eigentlich ein ungeheuerlicher Vorgang im ja schon fortgeschrittenen Zeitalter der Aufklärung. Was bleibt übrig aus dieser Zeit der Entwicklung und des Kampfes um im Grunde längst vergangene Positionen? - Vor allem wohl die Erkenntnis, dass Veränderungen in der Geschichte fast immer mit einem hohen Preis einhergehen, den die Menschen ihrer Zeit jeweils im Positiven und zumeist noch mehr im Negativen zu zahlen haben. Julius Echter ist eine Figur, welche dies im Vorfeld des 30jährigen Krieges überdeutlich repräsentiert und Würzburg ein historischer Schauplatz, an welchem die politische wie gesellschaftliche Gemengelage der gerade angebrochenen Neuzeit in all ihren Facetten aufeinander traf und eruptiv immer wieder zum Ausbruch kam. Die Ereignisse der Bauernkriege zeigen es ebenso wie diejenigen der Gegenreformation. Auch der 30jährige Krieg erwählte sich Würzburg im unmittelbaren Nachgang zu Julius Echter als einen seiner grausigen Schauplätze.

Julius Echter, 1573 - 1617

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