Glaube, Liebe, Gewalt Das 2016 erschienene Buch von Roman Rausch, dessen historische Romane zumeist Themen rund um Würzburg bzw. Mainfranken behandeln, erzählt diesmal die Geschichte von Hans Behem und der sogenannten „Wallfahrt nach Niklashausen“ im Jahr 1476. Bei diesem historischen Ereignis handelt es sich um das zwar nur kurze und weitgehend in Vergessenheit geratene Phänomen einer Massenbewegung, welches  rund 50 Jahre vor Martin Luther, Thomas Müntzer und den berühmten 12 Artikeln der süddeutschen Bauernhaufen diese Geschehnisse in  beinahe prophetischer Art und Weise vorwegnimmt. Der junge Schafhirte Hans, genannt der Pauker, berichtet 1476 während oder zum Ende der Fastenzeit einer Gruppe von Menschen vor der keinen Wallfahrtskirche von Niklashausen im Taubertal davon, dass ihm die Mutter Gottes erschienen sei. Die Jungfrau Maria war dem jungen Mann von etwa 18 Jahren aber nicht nur erschienen, sondern hatte ihn auch mit einer Aufgabe ausgestattet. Er sollte fortan zu den Menschen predigen, dass das jüngste Gericht herannahe, dass die Menschen sich von allem Tand befreien  sollen, dass sie einen vollständigen Ablass erhielten, wenn sie nach Niklashausen wallten und hier die Gnade der Jungfrau Maria erbaten, dass alle Menschen gleich seien und daher Fürst und Bischof für ihren Unterhalt ebenso arbeiten sollten wie die Bauern es taten,  dass bald schon über ungerechte Bischöfe und Herren ein Strafgericht des Himmels herein brechen  würde, und, und, und … Er verbrannte zum Zeichen dieser Berufung seine Pauke, was im Folgenden auch immer wieder mit dem abgelegten ‚Tand‘ der Wallfahrer geschah.   Die Botschaft ging innerhalb kürzester Zeit wie ein Donnerhall durchs Land. Menschen kamen zuhauf und für die damalige Zeit auch von sehr weither. Die Obrigkeit beklagte, dass Bauern ihre Felder und Hirten das Vieh im Stich liessen. Hans wurde der „Heilige Jüngling“ genannt und berichtete immer wieder von neuen Erscheinungen. Dabei predigte er zunächst von einem Fass aus und später aus einem Fenster heraus. Teilweise sollen sich bis zu 40.000 Menschen gleichzeitig in dem Tal bei dem kleinen Örtchen aufgehalten haben. Insgesamt wohl um die 70.000. Eine unvorstellbar grosse Masse für die damalige Zeit. Der junge Mann muss enormes Charisma und eine besonders authentische Wirkung auf die Menschen besessen haben. Er traf den Nerv und die Sehnsüchte der Massen. Roman Rausch, Der Falsche Prophet, Reinbeck bei Hamburg, 2016 ISBN 978-3-499-27086-4
Home Über Würzburg In Bildern Stadtgeschichte Sehenswürdigkeiten Kulturelles Würzburg Wein und Kulinarisches Rundgänge Aktivitäten BASTELRAUM Ihre Würzburg-Links
Mein-Wuerzburg.com
Mein Wuerzburg
© 2014 - 2017 | Christoph Pitz,St.-Nepomuk-Str.6,D-97218 Gerbrunn,+49 (0)931 99 130 553 | Kontakt | Impressum
Der Platz mit einem mysteriösen, blutigen Geschichtsmoment Linksmainisch beschreibt der "Schottenanger" eigentlich das Areal zwischen der ehemaligen 'Kaiserpfalz Friedrich Barbarossas' und dem ehemaligen 'Schottenkloster', also zwischen der heutigen 'Deutschhauskirche' und dem Gelände des 'Don-Bosco-Werk', das sich hinter der Kirche über eine der erhaltenen Bastionen der barocken Festungsanlage erstreckt. Neben dem Platz heißt auch die bei der Don-Bosco-Kirche wieder zum Main hinab führende Strasse Schottenanger. Der Begriff 'Anger' stammt ursprünglich noch aus dem Germanischen und hat sich im Alt- und Mittelhochdeutschen in Variationen weiterentwickelt. Es handelt sich dabei um das Gegenstück des 'Acker', nämlich um eine Fläche als Gras- oder Weideland. - Im Siedlungsrahmen handelte es sich zumeist um öffentliche Plätze für gemeinschaftliche Aktivitäten wie etwa den Backofen zum Brotbacken, das Osterfeuer, Schlachtplatz, Versammlungen und vieles andere. Weiter zurückreichend auch Kultplätze. Hier war es im Grunde ein neu entstehender Platz, an dem in den 30er Jahren des 12. Jahrhunderts von bzw. für irische Mönche das zu den Benediktinern gehörende "Schottenkloster" gegründet wurde. Man nannte diese von den britischen Inseln stammenden Mönche hierzulande "Iroschotten"; sie kamen seit der Jahrtausendwende immer zahlreicher auf den Spuren ihrer missionierenden Vorgänger und Märtyrer insbesondere in den süddeutschen Raum. Die Würzburger Niederlassung wurde von dem schottischen Kloster in Regensburg aus gegründet. Bis zur Weihe der "St. Jakob" gewidmeten Kirche im Jahr 1146 vergingen nur wenige Jahre. Das Kloster lag unmittelbar ausserhalb bzw. direkt an der ursprünglichen Stadtmauer, was aufgrund dieser Lage und der Tatsache, dass der Zustrom von 'iroschottischen Mönchen' schon ab dem 13. Jahrhundert wieder stark abnahm, immer wieder zu Problemen mit Übergriffen und sogar Plünderungen führte. Um 1500 herum wurde das Kloster schliesslich nach einem Großbrand allerdings wieder aufgegeben. Die letzten Mönche schlossen sich zumeist den Benediktinern von 'St. Stephan' in der rechtsmainischen Stadt an. Es kam unter verschiedene Verwaltungen, unter denen auch immer wieder kirchliche Verwendungen durch Mönche waren, bis eine wechselvolle Geschichte es nach dem 2. Weltkrieg dem Don-Bosco-Werk als Heimstatt zuführten. Die ursprünglich romanische Klosterkirche St. Jakob erfuhr im Lauf der Zeit viele Umbauten, so dass von der eigentlichen Anlage nicht so sehr viel nachvollziehbar bzw. nur für Leute vom Fach wirklich zu erkennen ist. Der 'Schottenanger' ist ein Ort, dem die Folgen des 2. Weltkrieges noch immer ein wenig den Stempel aufdrücken, da nach dem Wiederaufbau hier bisher noch kein stadtplanerisches Gestaltungskonzept zur Anwendung kam. Der eigentliche Schottanger umfasst als Platz nur den heute unteren Teil bei der Kirche und den ehemaligen Konventsgebäuden; die übrige Freifläche sind letztlich verbliebene Bombenlücken. Die funktionale Nutzung als Parkplätze überall dort, wo eben das Auto noch hinpasst, lässt sich zwar nachvollziehen, zeigt aber auch den Bedarf eines Konzeptes. In die Stadtgeschichte eingegangen ist der Platz durch die allerdings unrühmliche Hinrichtung von Hanns Bohem (verschiedenste Schreibweisen sind den fehlenden Festlegungen vor Martin Luther und natürlich regionalen Ausprägungen geschuldet) im Jahr 1476, auch bekannt als 'Pfeiferhannes'. Dieser stammte aus Helmstadt bei Würzburg und war eigentlich ein sehr lebenslustiger junger Mann, der auf Festen und Hochzeiten gerne die Pauke spielte und so mancher lässlichen Sünde überhaupt nicht abgeneigt war, bis ihm eine Marienerscheinung befahl, den Menschen die Abkehr vom sündigen Lebenswandel und ihrem Besitz zu predigen und sie zur Wallfahrt in den kleinen Ort Niklashausen an der Tauber (Nähe Tauberbischofsheim) zu rufen, wo sie alle gleich sein würden und ein göttliches Strafgericht über die Gier der Fürsten und Mächtigen kommen würde. So oder so ähnlich hat er das den Menschen verkündet. Dieser Ort beherbergte schon seit der Mitte des 14. Jahrhunderts eine kleine Wallfahrtskirche, welche aufgrund einer wundertätigen Muttergottes sogar einen päpstlichen Ablass besass. Für die kirchliche wie weltliche Obrigkeit war das ein ziemlicher Dorn im Auge, zumal die Erfahrungen mit den Hussitenkriegen in der Region damals noch kein halbes Jahrhundert zurück lagen. Die Botschaft des 'Pfeiferhannes' fiel indes auf sehr fruchtbaren Boden und traf den Nerv der Menschen, wie es sich am 'Vorabend der Reformation' unschwer vermuten lässt. Aber das wusste zu diesem Zeitpunkt ja noch niemand. Innerhalb von nur kurzen 3 Monaten sollen bis zu 70.000 Menschen dem Aufruf gefolgt und zur Wallfahrt aufgebrochen sein. Eine damals schier unglaubliche Zahl von Menschen. Letztlich reagierte die Obrigkeit schnell mittels unwahrer und durch den Würzburger Domherren Georg von Giech verbreiteter Gerüchte darüber, dass ein kriegerisches Bauerheer von Eidgenossen heranzöge und sich mit den Wallfahrern zusammentun wolle, so dass der zunächst zögernde Stadtrat sowie weitere regionale Landesherren sich gegen eine Festsetzung des jungen 'Peiferhannes' nicht mehr querlegten. Die erfolgte dann zügig, ebenso wie die Aburteilung als Ketzer. Über die Gründe dafür, warum er dann ausgerechnet am Schottenanger auf dem Scheiterhaufen starb, kann man wohl nur spekulieren. Möglicherweise sollte um die Hinrichtung wenig öffentliches Aufsehen erregt werden, um die Gefahr eines Aufstandes gering zu halten und um keinen Märtyrer aus dem 'Pfeiferhannes' zu machen. - So ganz ist zumindest Letzteres zunächst nicht gelungen, denn es gab da ja noch die Wallfahrer nach Niklashausen, deren Strom auch nach einen Jahr nicht versiegen wollte. Erst das Belegen der dortigen Wallfahrtskapelle mit dem 'Interdikt', also dem unter schwere Strafe gestellten Verbot für sakrale Handlungen wie etwa das Beten führte schliesslich zum Abebben der Bewegung. Auf der kleinen Bauminsel in der Platzmitte wurde 2001 eine ausgerechnet von dem ehemaligen OB Klaus Zeitler - welcher in den 1990er Jahrenden einen direkten Spagat von der SPD zu diesen bayerischen Republikanern vollzog und in der Folge mit teilweise kruden Auftritten auffiel - gestiftete Stele aus rotem Sandstein aufgestellt, die auf vier umlaufenden Bronzetafeln an den 'Pfeiferhannes' erinnert. Der Schottenanger im Video des Rundganges durch das Meeviertel Die 5. Station des Spazierganges durch das linksmainische Meeviertel führt zum Schottenanger hinter dem Deutschhaus-Gelände. Sehen Sie hier das entsprechende Kapitel aus dem Video des Rundganges, welches Sie sich auf Mein- Wuerzburg.com in voller Länge auch auf der zuständigen Seite Rundgang durch das “Meeviertel”  anschauen können.

Der Schottenanger

Klicken Sie auf die Einzelbilder für mehr Informationen ...            

Die Geschichte vom ‘Pfeiferhannes’