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Funktionales Ausbreitungsgebiet nach der Entfestigung Der Stadtteil "Zellerau" schliesst im Westen an das Mainviertel an. Der Fluss auf der einen Seite sowie der Höhenkamm des Marienberges und die Hettstadter-Steige begrenzen das räumlich weit ausgedehnte Viertel. Der Name ist vergleichsweise selbsterklärend; der alt Ort Zell a. Main folgt nach nur wenigen Kilometern, wir haben es hier also mit den 'Zeller-Auen' zu tun. Nach der Entfestigung entwickelt sich das Viertel zunächst nicht in der gleichen rasanten Weise wie z.B. die 'Sanderau'. Dies liegt wahrscheinlich an der zur Stadt hin abseitigen Lage. Noch lange nach 1900 finden wir hier Felder und Gartenanlagen, welche von den drei im 18 Jhdt. gegründeten Gütern Moschee, Moskau und Talavera ('Talavera Schlösschen') bewirtschaftet wurden. Dazwischen schon immer das ehemalige Zisterzienserkloster Himmelspforten (12. Jhdt.). Daher bietet sich der Stadtteil für entstehende Industriebetriebe zur Niederlassung an. 1876 lässt sich die spätere 'Hofbräu Brauerei' an der Strasse nach Höchberg nieder, weitere zehn Jahre später folgt 1886 das 'Bürgerliche Brauhaus' in der hinteren Frankfurter Strasse. Und nicht fehlen in dieser kleinen Aufzählung darf natürlich das Unternehmen 'König & Bauer' als ältestem Druckmaschinenhersteller der Welt, der auch die ersten Rotationsmaschinen baute. Mit der Nazi-Zeit kommt der Militarismus in das Viertel. Neben einer alten bayerischen Infanterie-Kaserne entstehen gleich mehrere Neue mit in der Spitze bis zu 8000 Soldaten plus Familien. - Nach dem Krieg drückt sich dieses Erbe in der Ansiedlung der Bereitschaftspolizei, dem Gelände der Berufsfeuerwehr und wiederum Soldaten aus, welche diesmal die amerikanische Staatsbürgerschaft inne haben. Auch den verstärkt einsetzenden sozialen Wohnungsbau (Denkler-Block) und das Image als Problemviertel kann man als Folge dieser Entwicklung sehen. Um es relativ klar zu sagen, die Zellerau steht eher nicht auf dem Programmzetteln der Besucher Würzburgs, da es sich wirklich nur um ein Ausdehnungsviertel handelt, das eher wenige bis keine historischen oder kulturellen Schätze zur Stadt Würzburg beiträgt. Aber gar so negativ sollte man den Bezirk allerdings nicht sehen. Er ist nahtlos integriert ins städtische Leben und weist durchaus ein paar Ecken mit Beiträgen zur Lebensqualität unserer Stadt auf. Nördlich der Frankfurter Strasse hat sich insbesondere an den Hanglagen ein Wohngebiet entwickelt, das man ruhig als gehoben bürgerlich mit nicht wenigen sehr interessanten Objekten bezeichnen darf und einer Aussicht auf die berühmte Weinlage 'Am Stein' auf der gegenüberliegenden Mainseite. Der Talavera Festplatz ist die Heimstadt des Kiliani-Volksfestes im Juli; die Mainwiesen wiederum für die beiden Musikfestivals "Umsonst & Draussen" und "Afrika-Festival" (grösstes Afrika-Fest ausserhalb Afrikas) im Mai und Juni. Dort findet auch alle paar Jahre die "Mainfrankenmesse" als Verbrauchermesse statt. Darüber hinaus tut sich seit einigen Jahren auch sehr sichtbar etwas in der Zellerau. Strassenzüge wurden saniert, neue Grünflächen entstanden, am Mainufer sind Freizeitflächen ausgebaut und dazu ein Skating-Park eigerichtet worden. Auf dem ehemaligen, denkmalgeschützen Areal der Würzburger Bürgerbräu-Brauerei entsteht seit 2012 ein Kultur- und Kreativzentrum mit vielfältigen Einrichtungen, Möglichkeiten, Veranstaltungen und v.a. Perspektiven, das von den Menschen sehr gut angenommen wird. Ebenfalls auf dem Bürgerbräu-Gelände ist bereits seit 1995 das dem Wirken des Arztes und Naturforschers Philipp Franz v. Siebold gewidmete Siebold- Museum in der ehemaligen Direktorenvilla beheimatet. Das überwiegend studentisch getragene Kulturprojekt des ‘Autonomen-Kulturzentrums-Würzburg’ (akw) musste hingegen im Jahr 2009 aufgeben, nachdem es zuvor seit 1992 ebenfalls mit verschiedensten Aktivitäten und Angeboten auf dem Gelände ansässig war. - Dennoch: Es tut sich etwas in der Zellerau. Anekdote: Hier an den Zellerauer-Mainwiesen endet der Quartier-Bericht auch mit einer kleinen Anekdote aus meinem persönlichen Würzburg-Fundus. - Es gibt dort nämlich auch ganz idyllisch angelegte Grillplätze, denen wir eines Sommerabends einfach nicht widerstehen konnten. Einen besonders guten Platz dafür findet man auf der Höhe der Klostermauern von Himmelspforten, welche etliche Meter hoch bis nahe an den Main heranreichen. In der Nachbarschaft feierte eine laut-fröhliche Runde Sinti oder Roma. Mit Musik aus der Stereoanlage, mit Zelt, Bänken, grosser Zapfanlage und mehren Kühlschränken. Sogar mit Tiefkühltruhe und aufgestellten Disko-Scheinwerfern. Nachdem wir das Treiben fasziniert für eine Weile beobachtet hatten, ging ich rüber, wurde gleich mal fröhlich zum Bier eingeladen und stellte schließlich die Frage aller Fragen. Wo, zum Teufel, kam nur der Strom her? Es war ein Rätsel. Der Angesprochene nahm mich augenzwinkernd bei Seite, zeigte mir im Dunkeln das Versorgungskabel, dem wir folgten, bis es die Klostermauer hinaufkletterte und dahinter verschwand. Ich bekam diese Worte zur Antwort: "Ganz einfach, mein Freund, 10 Euro von Katholik zu Katholik".

Die Zellerau

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