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Zwischen Dom und Neumünster der ehemalige ‘Leichhof’ Der "Kiliansplatz" entsteht zwischen den Langhäusern von Dom und Neumünster, welche ihn im Süden und Norden umschließen, während die westliche Seite zur Domstrasse und die östliche Seite zur Hofstrasse weist. - Man spricht in der alten Zeit hier auch von dem Übergang der weltlichen zur geistlichen Stadt, denn im Osten des Platzes legen sich v.a. die sogenannten Domherrenhöfe der Mitglieder des Domkapitels wie eine Mondsichel um den Dom und das Neumünster Stift herum. Zunächst möglicherweise als Gerichtsplatz mit Gerichtslinde genutzt, diente der Platz dann jedoch für Jahrhunderte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts überwiegend als Bestattungshof für wohlhabende und verdiente Bürger der Stadt. Aus diesem Grund wurde er auch 'Leichhof' genannt. - Im 19. Jahrhundert (1822) gab man den Friedhof schliesslich auf, um zwischen den beiden Kirchen einen Übergang zur Domstrasse schaffen zu können. Im Rahmen der Absenkung des Geländes nach Westen hin stieß man dabei auf verschiedene Grabplatten, unter denen sich auch die von Tilman Riemenschneider fand, welche man dort in Kopie (Original im Mainfränkischen Museum) und unmittelbarer Nähe an der Nordwand des Doms sehen kann. Sie zeigt ein sehr lebensnahes Porträt jenes Künstlers am Übergang zur Neuzeit und wurde von seinem Sohn Jörg geschaffen, welcher die Werkstatt des Vaters übernommen hatte. Auf dem so entstandenen und gepflasterten Platz verblieb allerdings innerhalb eines kleinen, von Balthasar Neumann 1732 aufgestellten Säulenpavillons auf massivem Sockel die Figurengruppe "Ölberg" von Johann G.W. van der Auwera, welche sich heute in der 'Paradies' genannten Portalvorhalle von St. Burkard befindet. - Ansonsten gab es zunächst keine weitere Platzgestaltung, sondern nur den diagonal von Südwesten nach Nordosten verlaufenden Weg zur Martin- bzw. Hofstrasse hin, welcher in Richtung Domvorplatz und Domstrasse einen überbauten Durchgang unter dem damaligen Haus am 'Kürschnerhof' entlangführte. Dies ganz ähnlich wie es auch heute wieder der Fall ist. Dieses Gebäude am Kürschnerhof zwischen Dom und Neumünster wurde kurz vor der Jahrhundertwende 1900 schliesslich abgerissen, ebenso wie das ehemalige Landgerichtsgebäude (dies stand quer über der heutigen Strasse in der Kurve zwischen Domstrasse und Kürschnerhof), dessen Neubau gerade zu dieser Zeit an der südlichen Ringstrasse auf dem Areal der ehemaligen Stadtbefestigung stattfand. - Ziel war es, an diesem zentralen Ort der historischen Altstadt nun mehr Raum zu schaffen, nachdem sich die Stadt jetzt über die ehemalige Enge der befestigten Grenzen hinaus entwickeln konnte. Zu Gute kam diese Maßnahme zum Beispiel der sogenannten "Pferdebahn" (von Pferden gezogener Vorläufer der Straßenbahn), welche Ende des 19. Jahrhunderts sowohl durch den Kürschnerhof als auch zeitweilig über den Kiliansplatz verkehrte. Da die gesamte Freifläche zusammen mit dem Kiliansplatz jetzt allerdings allzu leer wirkte wurde zum Kürschnerhof hin ein neobarocker Kiosk errichtet, in dem Blumen angeboten wurden. Als dort das Gelände mit einem Neubau der Städtischen Sparkasse ab 1928 aber wieder geschlossen wurde, musste dieser Kiosk im Jahr davor allerdings wieder weichen, und es bestand zum Kiliansplatz hin erneut wieder nur ein schmaler Durchgang neben der Domfassade. Dieser Sparkassen-Komplex wurde allerdings schon vor dem großen Flächenbombardement auf Würzburg 16.03.45 bereits am 19. Februar bei einem der beiden vorgezogenen Fliegerangriffe durch eine britische Sprengbombe stark beschädigt, so dass nach dem Feuersturm wirklich nichts mehr übrig war und ab 1948 wieder ein komplett neues Gebäude durch die Sparkasse mit dem überbauten Durchgang zum Kiliansplatz entstand, den wir heute kennen. Die Sparkasse ihrerseits baute später weiter östlich am heutigen Standort in der Hofstrasse noch einmal eine neues Hauptgebäude und das Haus am Kürschnerplatz wurde anschliessend durch die Diözesanverwaltung des Bistums genutzt mit Geschäften und z.B. auch dem 'Domcafé' im Erdgeschoss auf den Seiten zum Kürschnerhof und dem Domvorplatz hin. So etwas wie eine Platzgestaltung hat der Kiliansplatz dann erst wieder 1979 erhalten, nachdem man die Fläche - wie praktisch überall in der Stadt - zunächst z.T. als Parkplatz verwendete. Es wurden Bäume und Bänke angelegt, so dass zwischen den Kirchen ein ruhiger Ort entstand. - Als Studierende haben wir um 1990 herum auf dem Platz jener Tage ein paar sehr erfolgreiche Kinderfeste veranstaltet. Im Zuge der wirklich sehr gross angelegten Neugestaltung der grossen Würzburger Kirchenräume und dem Gesamtauftritt des Bistums mit z.B. auch dem sehr modern gestalteten Neubau der Diözesan-Bibliothek gegenüber dem Priesterseminar in der Domerschulstrasse ausgerechnet über der 1938 niedergebrannten jüdischen Synagoge (!), wurde ab den 2000er Jahren das Gebäude am Kürschnerhof zusammen mit dem Kiliansplatz neu gestaltet. Man entkernte den Bau größtenteils und schuf im hinteren Teil zum Kiliansplatz hin die teilweise auch unterirdisch gelegenen Räumlichkeiten für das neu eingerichtete 'Dommuseum' des Bistums, dessen Eingang sich zum Kiliansplatz hin befindet. Diese rückwärtige Gebäudeseite zum Platz hin  wurde in diesem Kontext bis auf zwei Glasdurchbrüche mit dunkelgrauen Steinplatten vertäfelt. Und ebenso der bisherige Platz mit einigen zum Durchgang hinab führenden Treppenabsätzen. Die Steinplatten bestehen zwar aus fränkischem Muschelkalk, aber sehr fränkisch wirkt das leider nicht. Dazu hat man über den Platz verteilt verschiedene Plastiken regionaler Künstler aufgestellt, welche im Kontext dieser Neugestaltung entstanden sind. Im Einzelnen lesen Sie das zu diesen Werken bitte hier nach ... Meine Kritik zur Platzgestaltung: Ich nehme einfach einmal ganz positiv an, dass man mit der Neugestaltung des Kiliansplatzes so etwas wie eine modern aufgefasste Synthese zwischen dem alten Würzburg und einem ganz neuen Würzburg unserer Tage schaffen wollte und es in diesem Sinne städtebaulich auch wirklich gut gemeint hat. Nun wissen wir alle, dass Geschmack etwas sehr Subjektives im Empfinden und Erleben des Betrachters ist. - Dennoch behaupte ich, dass diese Neugestaltung des Kiliansplatzes leider auf ganzer Linie komplett und vollständig misslungen ist. Das liegt ausdrücklich nicht an den aufgestellten Plastiken (!), sondern vielmehr an der kalten, sterilen, aalglatten, leblosen und ausdruckslos flachen Zupflasterung mit diesem Grau in Stein. Dazu die ganz und gar fürchterliche Fassade zwischen den beiden romanischen Kirchen (die Neumünster-Gestaltung ist hier beim barocken Umbau ja romanisch geblieben). Der neue Platz und die beiden Kirchen stossen sich gegenseitig regelrecht ab! - Ich bin ein bisschen untröstlich. Mir müsste wirklich mal einer erklären, was denn mit der vormaligen Platzgestaltung nicht gestimmt haben soll. Wenn ich mir zudem genau die dort jetzt aufgestellten modernen Plastiken vor meinem geistigen Auge in den vorherigen Platz hineindenke, so wäre das dort durchaus passend gewesen und im Eindruck sogar sehr viel wirkungsvoller, weil nämlich der umgebende Gesamtrahmen zueinander gepasst hätte. Sie sehen, Städtebau ist zu allen Zeiten sehr spannend und eben immer auch eine Angelegenheit des Herzblutes. Der ‘Kiliansplatz’ im Video des Altstadtrundganges Die 2. Station des Altstadtrundganges beschäftigt sich u.a. mit der Situation des Kilianplatzes zwischen Dom und Neumünster. Sehen Sie hier das entsprechende Kapitel aus dem Video des Rundganges, das Sie sich auf Mein-Wuerzburg.com in voller Länge auch auf der zuständigen Seite Altstadtrundgang anschauen können.

Der Kiliansplatz

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Platzmomente ...

Kunst auf dem Kiliansplatz

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